Aggression

 

 


Twin Towers in New York vor der Zerstörung am 11.09.2001. 

 

 

 

 

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Peter Thiel - Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF) 

19.07.2013

 

 

 

 

Schlüsselwörter:

Adrenalin, Ärger, Aggression, Aggressionstraining, Aggressivität,  Amok, Angst, Antiaggressionstraining, Antigewalttraining,  antisoziale / dissoziale Persönlichkeitsstörung (APS), Autoaggression (auf die Lippen beißen, Fingernägel knabbern, Ritzen,  Rheuma, Sodbrennen), Bedürfnis, Bedrohung, beißen, Beißhemmung, Beleidigung, Choleriker, Destruktivität, Frust, Frustration, frustriert, Gewalt, heiliger Zorn, Herzinfarkt, Herzinfarktprophylaxe, Introjekt, Ironie, Kampfdackel, Kraft, Kratzen, Krieger, Lähmung, Macht, Magengeschwür, Magensäure, Masochismus, Masochist, Projektion, Sadismus, Sadist, Sadomasochismus, Sarkasmus, Satire, Schlagen, Schreien, Sodbrennen, Sündenbock, Treten, Wadenbeißer, Zerstörung, Zorn

 

 

 

 

Durch diese hohle Gasse muss er kommen,

Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht Hier

Vollend ich's Die Gelegenheit ist günstig.

Dort der Holunderstrauch verbirgt mich ihm,

Von dort herab kann ihn mein Pfeil erlangen,

Des Weges Enge wehret den Verfolgern.

Mach deine Rechnung mit dem Himmel Vogt,

Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen.

 

Ich lebte still und harmlos Das Geschoss

War auf des Waldes Tiere nur gerichtet,

Meine Gedanken waren rein von Mord

Du hast aus meinem Frieden mich heraus

Geschreckt, in gärend Drachengift hast du

Die Milch der frommen Denkart mir verwandelt,

Zum Ungeheuren hast du mich gewöhnt

Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,

Der kann auch treffen in das Herz des Feinds.

 

Friedrich Schiller: Wilhelm Tell - Kapitel 15

http://gutenberg.spiegel.de/buch/3332/15

 

 

 

 

 

Aggression, ein Tabu unser Tage

Aggressionen sind in unser Gesellschaft eines der letzten großen Tabuthemen. Aggressionen sind verpönt, zeigen sie sich dennoch, werden sie als psychische Erkrankungen stigmatisiert.

Zum Zwecke der allgemeinen Beruhigung vor einem nächsten Amoklauf legt man ein Zentralregister für Waffen an. Grad so, also ob sich Aggressionen in einem Waffenregister abschließen ließen. Fehlt nur noch eine Zentralstelle für Waffenkammerschlüssel, wo jeder Todesschütze vor einem Amoklauf seine Waffe und die dazugehörigen Patronen gegen Unterschrift abholen darf.

 

Zentralregister für Waffen kommt 2012

MARKUS DECKER, 07.12.11

Knapp drei Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Bundesregierung ein bundesweites Waffenregister beschlossen. Das Kabinett gab grünes Licht für einen entsprechenden Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

... Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden lobte die Entscheidung, hält sie aber nicht für ausreichend. "Ich finde das gut", sagte Vorstandssprecherin Gisela Mayer der MZ. "Aber es ist im Grunde eine Selbstverständlichkeit." Wenn ein Waffenbesitzer von München nach Hamburg umziehe, dann werde sein Waffenbesitz in München derzeit noch nicht registriert. Das Register allein werde aber nicht ausreichen. "Es wird unverzichtbar bleiben, dass wir flächendeckend kontrollieren, ob diese Waffen auch sicher aufbewahrt werden", so Mayer.

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1323238300297

 

 

Waffen sind bekanntlich zum Schießen da, nicht zum aufbewahren. Aufbewahren kann man alte Briefe oder Socken, damit ist bekanntlich auch noch niemand erschossen worden.

 

Wird in unsrem Land mal jemand übermäßig aggressiv und sticht auf seine ihm unbotmäßig erscheinende Ehefrau mit dem Messer ein, dann heißt es, er leide an einer psychischen Erkrankung.

 

Versuchtes Tötungsdelikt in Ahlhorn - 56-Jährige schwebt in Lebensgefahr - Tatverdächtiger Ehemann festgenommen

Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Oldenburg und der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land vom 27.09.2012

Am Mittwoch, 26. September 2012, kam es gegen 18.30 Uhr zu einem versuchten Tötungsdelikt in Ahlhorn (Landkreis Oldenburg). Ein 62-jähriger Mann steht im Verdacht, mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen zu haben. Die 56-jährige Frau erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Der Ehemann wurde noch am Tatort von der Polizei vorläufig festgenommen.

Erste Ermittlungen sprechen dafür, dass der Beschuldigte bereits seit längerem unter einer psychischen Erkrankung leidet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat daher seine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt. Das zuständige Amtsgericht Wildeshausen erließ am Donnerstag, 27. September 2012, den dafür notwendigen Unterbringungsbeschluss.

Die 56-jährige Frau wurde noch am Mittwochabend in einem Krankenhaus operiert.

...

http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=22936&article_id=109186&_psmand=165

 

 

Aggression wird so zu einer Krankheit erklärt und wo wäre dann der Aggressive besser aufgehoben als in einem "psychiatrischen Krankhaus", wo man versuchen wird, ihm die Krankheit auszutreiben: Und ist er nicht willig, so braucht es Gewalt oder eine Tablettendröhnung, die Pharmalobby freut`s und kleine Geschenke wandern in Richtung Deutscher Bundestag, wo die Pharmalobby ihre treuen Anhänger weiß. 

Freilich wollen die wenigsten freiwillig in die Psychiatrie und so bedarf es mitunter der Amtshilfe durch die Polizei. Operation gelungen, Patient tot, so stellt sich die Amtshilfe dann schon mal dar:

 

Zwangseinweisung endet tödlich: 51-jähriger greift Polizeibeamten mit Hammer an Kollege erschießt den Angreifer

Presseinformation Nr. 17/12 der Staatsanwaltschaft Oldenburg vom 01.08.2012

Oldenburg-Wesermarsch. Am Mittwoch bat der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises Wesermarsch die Polizei um Unterstützung bei einer amtsärztlichen Überprüfung in Elsfleth.

Ein 51-jähriger Mann, der unter einer psychischen Erkrankung litt, deswegen 2006 bereits in eine Klinik eingewiesen worden war und in medikamentöser Behandlung stand, hatte nach Angaben einer Angehörigen die Medikamente abgesetzt und sich phasenweise aggressiv gezeigt. Es sollte daher überprüft werden, ob er erneut zwangseingewiesen werden müsse.

Ein Mitarbeiter des Landkreises ging deshalb mit dem zuständigen Arzt und zwei vorsichtshalber begleitenden Polizeibeamten zu dem Betroffenen. Dieser wohnt mit seiner Mutter, die bei dem Vorfall nicht zugegen war, in einem entlegenen Bauernhaus.

Soweit bis jetzt feststellbar, stürmte der Betroffene beim Öffnen der Tür sofort auf mindestens einen der Polizeibeamten zu und schlug ihm mit einem Zimmermannshammer mehrfach auf den Kopf. Daraufhin machte der andere Polizeibeamte von der Schusswaffe Gebrauch, gab drei Schüsse in Richtung des Betroffenen ab und verletzte ihn tödlich.

Der verletzte Polizeibeamte wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.

Die ersten Ermittlungen vor Ort wurden durch die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland mit Unterstützung der spezialisierten Kriminaltechniker-Gruppe geführt. Aus Gründen der größtmöglichen Objektivität hat der Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg, Dieter Buskohl, verfügt, dass die Polizeidirektion Osnabrück die polizeilichen Ermittlungen umgehend übernimmt.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen den handelnden Polizeibeamtenwegen des Verdachts des Totschlags eingeleitet. Eine Obduktion des Getöteten wurde angeordnet. Durch die Ermittlungen soll der genaue Tathergang rekonstruiert werden. Erst danach wird die Staatsanwaltschaft entscheiden können, ob und inwieweit der Schusswaffengebrauch durch Notwehr oder Nothilfe gerechtfertigt war.

http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=22936&article_id=107918&_psmand=165

 

 

 

So wundert es bei so viel Verdrängung und Vertuschung des Themas Aggression nicht, dass Deutschland immer mehr die Gestalt eines psychiatrischen Krankenhauses anzunehmen scheint, die Bevölkerung in Gruppen unterteilt, auf der einen Seite die Aufpasser (Richter, Staatsanwälte, Psychiater und Pfleger) und auf der Seite der Überwachten die Patienten (brave Bürgerinnen und Bürger), ruhiggestellt mit Brot und Spielen und wenn das nicht mehr reicht, gibt`s Tabletten oder wenn es sein muss auch mal die Spritze. Schöne neue Welt.

 

 

 

 

Am Anfang steht das Bedürfnis

Wird das Bedürfnis befriedigt, stellt sich Sättigung und Zufriedenheit ein. Wird das Bedürfnis frustriert, besteht es fort, hinzu kommt nun aber noch Ärger über die Frustration. So ist der Mensch nicht nur unbefriedigt, was schon unangenehm genug sein kann, sondern auch noch frustriert und ärgerlich.

Zur Ableitung oder Kompensation des Ärgers kann dieser gegen verschiedene Objekte gewendet werden, den Auslöser des Ärgers, das kann ein Lebewesen sein, so etwa der Partner oder der Chef, oder ein kaputter Wasserhahn, auf den man wütend mit einem Hammer haut, was den Wasserhahn in der Regel aber nicht dazu bringt, wieder zu funktionieren. Möglich ist auch die Lenkung des Ärgers gegen sich selbst (Autoaggression), weil man sich nicht traut, den Ärger gegen das Ärger auslösende Objekt zu wenden, so etwa bei Kindern, die von ihren Eltern streng und mit Liebesentzug auf gezeigten Ärger erzogen werden.

Der Ärger kann auch auf völlig unbeteiligte Objekte verschoben werden, so etwa auf die Reifen von Autos, denen mit Sicherheit keine Schuld an einer bestehenden Frustration zuerkannt werden kann.

 

 

Polizei fasst 49-jährige Reifenstecherin

Derenburg/Halberstadt - In Derenburg (Landkreis Harz) hat die Polizei eine 49 Jahre alte Frau gefasst, die an 22 Autos Reifen zerstochen haben soll. Die Ermittler vermuten, dass sie zwischen Februar und April insgesamt 38 Reifen zerstörte. Aus Frust über ihre persönliche Situation sei sie in den Abend- und Nachtstunden in Derenburg unterwegs gewesen, um sie mit einem Schraubenzieher zu zerstechen, teilte die Polizei am Dienstag in Halberstadt mit. Der Schaden betrage rund 3500 Euro. Die 49-Jährige hat die Taten gestanden.

28.04.2009

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/sachsen_anhalt_newsticker/?sid=utd2ceh034u1q31u1p1ncukno5&em_cnt=1377282

 

 

Ärger ist somit erst einmal eine Information über das Bestehen einer Frustration. Ober der Ärger sich konstruktiv oder destruktiv auswirkt kommt auf die Umstände des Einzelfalls an. So ist etwa die Französische  Revolution auch Ausdruck eines großen Ärgers, weil die Machthabenden und Besitzenden die Bedürfnisse der Machtlosen und Besitzlosen massiv frustrierten.

 

 

 

 

Sauermacher

Eine Scheidung kann Sodbrennen auslösen

Chinesische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das gefürchtete Sodbrennen, das auch zu Speiseröhrenkrebs führen kann, nicht nur durch bestimmte Nahrungsmittel und Getränke ausgelöst wird, sondern auch durch hohe emotionale Anspannungen wie zum Beispiel bei einer Scheidung.

Unter Sodbrennen versteht man ein brennendes, mitunter sehr schmerzhaftes Gefühl in der oberen Magengegend, das durch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verursacht wird. Im englischen wird das unangenehme Leiden auch „Heartburn“, also „Herzbrennen“, genannt. Viele Erwachsene kennen diese Empfindung und wissen oft sehr genau, was den „Reflux“, also den Rückfluss ausgelöst hat: zu viel fettes Essen und Alkohol, zu viel Tee- oder Kaffeekonsum.

Der chinesische Mediziner You-Ming Li und sein Forscherstab von der Universität der Provinz Zhejiang hat nun beim Vergleich von 2.200 Patienten-Geschichten eine Reihe weiterer Auslöser für Sodbrennen dingfest machen können.

Dazu gehört unter anderem das Alter der Patienten. Die Häufigkeit, Sodbrennen zu bekommen, nimmt mit dem Alter zu. Das Geschlecht spielt ebenfalls eine Rolle, Männer neigen mehr zu dieser Erkrankung als Frauen. Neu ist: Auch psycho-soziale Faktoren spielen laut dem Forscherteam eine große Rolle. So kann eine Scheidung oder der Tod des Partners einen emotional dermaßen mitnehmen, dass man davon Sodbrennen bekommt.

http://www.krone.at/index.php?http%3A//wcm.krone.at/krone/S25/object_id__84675/hxcms/index.html

Posteingang 28.11.2007

 

 

 

Was da höhere wissenschaftliche Weihen aus China erfährt ist ein alter Hut. Jeder der ein wenig mit psychosomatischen Aspekten von Gesundheit und Krankheit vertraut ist, ist der Zusammenhang von Sodbrennen und Aggression bekannt. Bestimmte (in der Regel verdrängte) aggressive Impulse führen zu übermäßiger Bildung von Magensäure und zu darauffolgenden Sodbrennen.

Wer Sodbrennen abstellen will, braucht sich nicht mit der Einnahme von Tabletten zu behelfen oder zu betrügen, sondern kann sich statt dessen mit dem Objekt seines Verlangens oder Hasses auseinandersetzen, denn: 

 

 

Aggression heißt `herangehen` an den Gegenstand des Verlangens oder des Hasses (Perls)

Frederick S. Perls; Ralph F. Hefferline; Paul Goodman:  Gestalttherapie Grundlagen. dtv, 1979, (amerikanische Originalausgabe 1951), S. 134

 

 

 

 

Während Wut, Hass oder Zorn Zustände des Fühlens sind, ist Aggression eine Form des Tuns oder Tätig sein. Wut, Hass oder Zorn können sich in der Aggression entäußern und womöglich auch entladen.

Als Aggressivität kann man die potentielle Bereitschaft Aggressives zu tun bezeichnen. Der Satz, das weiche Wasser bricht den harten Stein, beschreibt zum Leidwesen aller Pazifisten auch eine Form der Aggression, nur die sehr langen Zeiträume in denen das fließende Wasser den Stein form, wie auch viel unmittelbarer der Stein das Wasser, verleitet zu der Annahme, der Stein wäre nicht aggressiv umgeformter, sondern würde sich quasi aus eigenem Entschluss verändern. 

Aggression heißt herangehen an den Gegenstand des Verlangens oder des Hasses, der als eine verdeckte Form des Verlangens gedeutet werden kann. Beißen und Kauen von Nahrung sind archaische unmittelbar lebensnotwendige Formen von Aggression. Die Fähigkeit zur Aggression ist natürlich (genetisch) angelegt und notwendig. Sie kann daher nicht ausgelöscht, sondern nur unterdrückt werden. 

Wilhelm Reich unterscheidet die Aggression, bzw. Aggressivität in vier Gruppen:

destruktive Aggressivität

sadistische Aggressivität

lokomotorische Aggressivität

sexuelle Aggressivität

 

 

 

vergleiche hierzu:

Wilhelm Reich:  "Die Funktion des Orgasmus. Sexualökonomische Grundprobleme der biologischen Energie", Kiepenheuer & Witsch, 1969, 1987, 7. Auflage 2000, S. 120

 

 

 

Bedauerlicherweise ist die Fähigkeit und die Umsetzung von Aggression in einen überwiegend schlechten Ruf geraten, bzw. befindet sich schon seit Jahrzehnten dort. Dies kommt daher, dass keine Unterscheidungen zwischen destruktiver und konstruktiver Aggression getroffen wird und zeugt von einem Mangel an Unterscheidungsvermögen, bei denjenigen, die Aggression nur negativ sehen. Vielleicht deshalb, weil die Betreffenden selbst ein Aggressionsproblem haben. 

So möglicherweise auch die Autoren des Duden - Fremdwörterbuch von 1997.  Hier findet man die Negativbeschreibungen:  

 

"Aggression: affektbedingtes Angriffsverhalten, feindselige Haltung eines Menschen oder eines Tieres mit dem Ziel die eigene Macht zu steigern oder die Macht des Gegners zu mindern."

 

 

 

Auch die SPD - eine bekanntermaßen zahnlose Partei der sogenannten kleinen Leute, denen die Zukunft ihres Schrebergartens die größte Sorge im Leben ist - lebt in einem Zustand unterdrückter aggressiver Impulse, denen sie in Vertretung durch die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in der Jagd auf Sündenböcke Luft verschafft. Und wer scheint sich als Sündenbock besser als Männer zu eignen, die, wenn es allein nach den sozialdemokratischen Schaumschlägern ginge, alle zu SPD-MitgliederInnen kastriert würden:

 

Zypries besteht auf Strafen für heimliche Vaterschaftstests

Berlin - Trotz der am Mittwoch im Kabinett beschlossenen neuen Regeln zur Vaterschaftsfeststellung will das Bundesjustizministerium heimliche Tests weiterhin unter Strafe stellen. „Heimliche Vaterschaftstests verstoßen gegen das Selbstbestimmungsrecht des Kindes und müssen sanktioniert werden“, sagte eine Sprecherin von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) am Donnerstag.

Der jetzt beschlossene Regierungsentwurf erleichtert es zweifelnden Vätern, die Abstammung eines Kindes in einem gerichtlichen Verfahren zu prüfen. Er sieht jedoch keine Strafen für sie vor, wenn sie die Untersuchung in Labors heimlich vornehmen lassen. Die Entnahme und Analyse etwa von Haaren oder Speichel des Kindes ohne Kenntnis der Mutter bleibt danach grundsätzlich weiter möglich. Allerdings werden die Ergebnisse solcher Tests nach Urteilen von Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof nicht als Beweis vor Gericht anerkannt.

Nach dem Karlsruher Urteil Anfang des Jahres hatte Zypries erneut eine Debatte mit der Forderung ausgelöst, heimlichen Tests mit bis zu einem Jahr Gefängnis zu bestrafen. Eine entsprechende Bestimmung soll das so genannte Gendiagnostikgesetz enthalten. Der Entwurf hierfür liegt seit dem Antritt der großen Koalition im Gesundheitsministerium vor, ohne dass sich das Kabinett damit befasst hat. Die Reform der Pflegeversicherung habe Vorrang, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Auch die Grünen dringen auf Sanktionen. Ende Mai hat die Fraktion einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Die nächste Anhörung erwartet die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Birgitt Bender, jedoch erst im Oktober. „In dem Gesetz muss es ein klares Signal geben, dass solche Tests illegal sind“, so Bender. pv

12.07.2007 

www.tagesspiegel.de/politik/;art771,2338338

 

 

 

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltete am 07.10.2008 eine Tagung mit dem Titel "Jugendgewalt: Was leisten Trainings, Kurse und Seminare?". Das ist erst einmal eine gute Idee, aber die SPD wäre nicht die SPD, wenn es ihr nicht gelänge aus einer guten Idee eine Schnapsidee zu machen.

Vorstellen darf sich auf der Tagung ein Projekt mit dem Namen "Antigewaltzentrum Berlin-Brandenburg" mit seinem Angebot "Anti-Aggressivitäts- und Coolnesstrainings (AAT/CT®). Wie man sieht, haben die Leute von dem Zentrum ihr Programm gleich noch als Marke schützen lassen, so als ob alle Welt nichts besseres zu tun hätte, als ebenfalls solche Trainings anzubieten, bei denen man zum Schluss womöglich depressiv statt aggressiv ist, keine Zähne und Fingernägel mehr hat und als Abschlusszertifikat ein Parteibuch SPD in seiner Tasche wiederfindet. 

 

Der allgemeine Mangel an gelebter konstruktiver Aggression führt zu einer Gesellschaftsverfassung die tendenziell von Erstarrung, Stagnation, Lethargie und auf sich selbst (retroflexiv) gerichteter Aggression gekennzeichnet ist. Nicht von ungefähr können die meisten der modernen Zivilisationskrankheiten wie z.B. Krebs, Magengeschwüre, Zahnverfall oder Rheuma als psychosomatische Reaktionen auf die auf sich selbst gerichtete Aggressivität gedeutet werden. 

Man schaue sich nur die aktuellen Krankenstatistiken an und man kann - weit besser als durch den Jahresbericht des Bundesverfassungsschutzes - eine Ahnung von der tatsächlichen inneren Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland bekommen. Während sich der freiheitlich-bürokratische Staat - besser als es SED-Chef Erich Honecker je gekonnt hätte - mit den Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürger am Brandenburger Tor als freiheitlicher Rechtsstaat hochjubeln lässt, werden viele Menschen gleichzeitig zu Recht das Gefühl nicht los, in einem freiheitlich-demokratischen Hamsterrad zu laufen, über dessen Welle mittels Transmissionsriemen kranke staatliche und halbstaatliche (Verwaltungs)strukturen mit Zehntausenden von direkt oder indirekt abhängig Beschäftigten, die von sich aus nicht lebensfähig wären, mit Energie versorgt und so künstlich am Leben erhalten werden.

 

Die Thematik ist nicht neu, Frederick S. Perls hat schon 1951 meisterhaft darüber geschrieben:

 

Wir wollen uns nun wieder dem weiteren sozialen Kontext zuwenden und noch einiges über die für unsere Epoche charakteristische Art der Gewalttätigkeit sagen.

Wir haben gegenwärtig in Amerika eine Verbindung von beispiellosem allgemeinem Wohlstand und beispielloser öffentlicher Ruhe und Ordnung. Ökonomisch wie soziologisch kommt beides einander zugute: je mehr Ordnung, desto mehr Produktivität, und je mehr Wohlstand, desto weniger Anreize, die Ordnung zu stören. Mit öffentlicher Ordnung meinen wir nicht eine geringere Zahl von Gewaltverbrechen, sondern die allgegenwärtige Sicherheit in Stadt und Land. Im Vergleich zu allen anderen Orten und Zeiten ist Reisen gefahrlos, überall, ob bei Tag oder Nacht. Es gibt kaum Schlägereien, Aufruhr oder bewaffnete Banden. Keine Verrückten laufen auf den Straßen Amok, es gibt keine Seuchen. Krankheiten werden in den Hospitälern schnell isoliert, den Tod bekommt man nie zu Gesicht, selten die Geburt. Fleisch wird gegessen, aber kein Stadtbewohner sieht je, wie ein Tier geschlachtet wird. Nie zuvor hat es je einen solchen Zustand der Gewaltlosigkeit, Sicherheit und Sterilität gegeben. Was unseren Wohlstand angeht, so berührt keine der noch strittigen ökonomischen Fragen das Lebensnotwendige. Die Gewerkschaften fordern nicht Brot, sondern bessere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Sicherheit; die Kapitalbesitzer fordern weniger staatliche Kontrolle und bessere Reinvestitionsbedingungen. Ein Einzelfall von Verhungern macht Skandal in der Presse. Weniger als zehn Prozent des Wirtschaftsertrags werden für die Grundversorgung mit Lebensnotwendigem verausgabt. Es gibt mehr Annehmlichkeiten, Luxus und Unterhaltung als je zuvor in der Geschichte.

Psychologisch ist das Bild zweifelhafter. Es gibt kaum überlebensgefährdende psychische Frustrationen, aber auch kaum Befriedigung, und es gibt Zeichen von nackter Angst. Die allgemeine Verwirrung und Unsicherheit der isolierten Individuen in einer allzu großen Gesellschaft zerstören Selbstvertrauen und Initiative, und ohne diese gibt es kein tätiges Vergnügen. Sport und Unterhaltung sind passiv und symbolisch; die Auswahl auf dem Markt ist passiv und symbolisch; es gibt nichts mehr, was die Menschen selber tun oder lassen, es sei denn symbolisch. Das Angebot au Sexualität ist reichlich, die Unempfindlichkeit extrem. Früher herrschte das Gefühl vor, Wissenschaft, Technik und neue Sitten würden ein glückseliges Zeitalter hereinbrechen lassen. Diese Hoffnung ist enttäuscht worden. Überall sind die Menschen enttäuscht.

Schon oberflächlich gesehen gibt es also Grund, die Dinge kurz und klein zu schlagen, nicht diesen oder jenen Teil des Systems zu zerstören (zum Beispiel die herrschende Klasse), sondern das Ganze en bloc, denn es verspricht nichts mehr, es hat sich in seiner bestehenden Form als unassimilierbar erwiesen. Dieses Gefühl findet sich, in wechselnden Graden der Klarheit, sogar im Gewahrsein.

Wenn wir aber näher hinsehen, unter den Aspekten, die wir eben erörtert haben, so stellen wir fest, daß diese Bedingungen fast genau diejenigen sind, welche den primären Masochismus erregen. Es findet eine dauernde Reizung statt, bei nur partieller Spannungsabfuhr, eine unerträgliche Steigerung der unbewußten Spannungen - unbewußt, weil die Menschen nicht wissen, was sie wollen, noch wie sie es erlangen können, weil die Mittel, die sich ihnen bieten, zu groß und unhandlich sind. Der Wunsch nach der letzten Befriedigung, nach dem Orgasmus, wird als Wunsch nach totaler Selbstzerstörung interpretiert. Unvermeidlich also muß es einen öffentlichen Traum von der Weltkatastrophe geben, von riesigen Explosionen, Feuern und Elektroschocks, und die Menschen bemühen sich mit vereinten Kräften, die Apokalypse Wirklichkeit werden zulassen.

Gleichzeitig jedoch wird jeder offene Ausdruck von Zerstörungslust, Vernichtungswillen, Wut und Kampfbereitschaft unterdrückt im Interesse der öffentlichen Ordnung. Schon das Gefühl des Ärgers wird zurückgehalten und verdrängt. Vernünftig, tolerant, höflich und kooperationswillig lassen die Menschen sich herumstoßen. Aber die Anlässe, sich zu ärgern, werden keinesfalls seltener. Im Gegenteil, wenn die größeren Initiativen in die Wettbewerbsroutine der Ämter, Bürokratien und Fabriken kanalisiert werden, gibt es Demütigungen, verletzte Gefühle, kleine Gemeinheiten. Der kleine Arger wächst ständig nach und wird nie abgeführt; die große Wut, welche die große Initiative begleitet, wird verdrängt.

Die Situation der Wut wird daher in die Ferne projiziert. Die Menschen müssen große, ferne Ursachen finden, die ausreichen, den Druck der Wut zu erklären, der gewiß nicht aus dem kleinen Arger kommt. Es ist notwendig, etwas zu haben, das des Hasses würdig wäre, den man unbewußt gegen sich selber spürt. Kurz, man ist wütend auf den Feind.

Frederick S. Perls; Paul Goodman; Ralph F. Hefferline: “Gestalttherapie. Grundlagen“, dtv, 1979

 

 

 

 

Im modernen bürokratischen Staatsapparat hat man zu Recht vor den Aggressionen der Menschen Angst, denn diese würden, wenn sie nicht auf Sündenböcke gerichtet wären, sich gegen die krankmachenden Strukturen und ihre Repräsentanten richten und die Frage aufwerfen ob, man für die unumgängliche Verwaltung bestimmter Lebensangelegenheiten tatsächlich solch gigantische staatliche und halbstaatliche kostenträchtigen Strukturen bräuchte, wie wir sie heute vorfinden. Doch, da nicht sein kann, was nicht sein darf, so macht man sich denn an höchster staatlicher Stelle Gedanken darum, die ungerichtete oder gerichtete Aggression der Menschen in den Griff zu kriegen.

Die fängt mit scheinbar ganz simplen strafrechtlichen Maßnahmen an, an die sich die Menschen zumeist schon so gewöhnt haben, dass sie meist gar nicht mehr wahrnehmen, wie der Staat hier in ihre Freiheit eingreift.

 

 

Strafgesetzbuch

§ 185 Beleidigung

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

 

 

Mittels des § 185 Strafgesetzbuch wird Aggressivität, die sich in Form einer sogenannten Beleidigung wie z.B. blöde Sau, Menschenschinder, Bürohengst, Arsch, Fotze, Kinderficker, Sesselfurzer, Pisser oder Arschloch artikuliert, unterdrückt. Was dabei strafrechtlich als Beleidigung zählen soll und was nicht, sollen nicht etwa die Menschen selber bestimmen, sondern staatlich-bürokratisch bestellte Wächter und Zensoren in Form von Richtern und Staatsanwälten. Diese kommen dann, je nach Lust und Laune mal zu der einen oder anderen Auffassung. Würde man beispielsweise in der Öffentlichkeit sagen, dieser oder jener konkrete männerfeindliche Richter am Bundesverfassungsgericht wäre ein Arschloch oder eine elende Sau, so würde derjenige der dies sagen würde, sicher mit der Höchststrafe Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt werden. Bezeichnet man dagegen die Tochter der sogenannten "RAF-Terroristin" Ulrike Meinhof als "Terroristentochter", so ist dies nach Ansicht des Bundesgerichtshofes, VI. Zivilsenat jedoch keine Beleidigung, sondern" im konkreten Kontext eines Presseartikels" zulässig (vergleiche hierzu: Bundesgerichtshof, VI. Zivilsenat - Urteil vom 5.12.2006 - VI ZR, 45/05 (OLG München), veröffentlicht in "Zeitschrift für das gesamte Familienrecht", 5/2007, S. 388-390). 

 

 

 

Bundesgerichtshof

Mitteilung der Pressestelle

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Nr. 170/2006

 

Die Bezeichnung "Terroristentochter" kann im konkreten Kontext zulässig sein

Die Klägerin, eine Tochter der früheren RAF-Angehörigen Ulrike Meinhof, beschäftigt sich als freie Journalistin seit Jahren publizistisch mit dem RAF-Terrorismus. Die Beklagte veranstaltet das Internet-Angebot zur Print-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Sie stellte im September 2003 mit der Überschrift "Enthüllungen - Die Terroristin und der Figaro" einen Beitrag ins Internet, der sich mit einem bekannten Berliner Frisör und dessen Kundschaft, zu der auch bekannte Politiker gehören, beschäftigte. Darin wurde ausgeführt, gemäß einem von der Klägerin verfassten Artikel der Tageszeitung "Die Welt" solle der Frisör auch die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof zu einem Zeitpunkt frisiert haben, als diese bereits wegen Mordes gesucht worden sei. Der Beitrag weist weiter darauf hin, dass die Klägerin vor einigen Jahren die Rolle des Außenministers Fischer im Rahmen der Unruhen in Frankfurt enthüllt habe. Es wird dann u. a. ausgeführt:

"Auf dem Höhepunkt der Debatte um Fischers Vergangenheit war die Berichterstattung gekippt. Die Kollegen wandten sich nun der Jägerin zu, die in den Portraits alles andere als schmeichelhaft wegkam: Als fanatische, verbitterte Verschwörungstheoretikerin erschien R., die die "Achtundsechziger" abgrundtief hasste und sie, wie die "Welt" einmal schrieb, "auch mit sonderbaren Methoden" bekämpfte. Statt Respekt brachte man ihr allenfalls Mitleid entgegen, der … Terroristentochter, die als Siebenjährige in ein jordanisches Palästinensercamp verfrachtet werden sollte, bevor sie der heutige "Spiegel" Chefredakteur S. A. aus den Händen der RAF befreite."

Gegenstand der vom erkennenden Senat zugelassenen Revision ist nur noch das vom Berufungsgericht ausgesprochene Verbot, die Klägerin als "Terroristentochter" zu bezeichnen.

Der VI. Zivilsenat hat das Berufungsurteil aufgehoben und das die Klage abweisenden Urteil des Landgerichts bestätigt. Bei der beanstandeten Äußerung ist nicht die Wahrheit der Tatsache im Streit, sondern die Zulässigkeit der gewählten Formulierung, sodass es darauf ankam, ob es sich um eine Schmähkritik oder Formalbeleidigung handelt, die grundsätzlich nicht geduldet werden muss. Eine solche Schmähung, bei der nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung des Betroffenen im Vordergrund steht, der jenseits polemischer und überspitzter Kritik herabgesetzt und gleichsam an den Pranger gestellt werden soll, liegt hier nicht vor, weil der Artikel an Veröffentlichungen und Vorwürfe der Klägerin gegen Dritte anknüpft und diese in Bezug zu ihrer eigenen Lebensgeschichte setzt. Unter diesen Umständen steht nicht die Diffamierung der Betroffenen, sondern die Auseinandersetzung in der Sache im Vordergrund. Bei der demnach erforderlichen Abwägung war zu berücksichtigen, dass die beanstandete Äußerung zwar scharf und polemisch formuliert ist und die Persönlichkeit der Klägerin nicht umfassend beschreibt. Andererseits war aber zu beachten, dass die Klägerin ihre Abstammung von Ulrike Meinhof nicht geheim gehalten hat und es sich um einen Beitrag von öffentlichem Interesse handelt, der zur Meinungsbildung bei der Bewertung von Fragen beitragen sollte, die die Klägerin selbst in die Öffentlichkeit getragen hat und bei deren Beurteilung auch der persönliche Lebenshintergrund der Verfasserin von Bedeutung war. Unter diesen Umständen stellt sich die gewählte Formulierung im konkreten Kontext nicht als rechtswidrig dar.

Urteil vom 5. Dezember 2006 – VI ZR 45/05

Landgericht München I – Entscheidung vom 30. Juni 2004 - 9 O 1730/04 ./. Oberlandesgericht München - Entscheidung vom 25. Januar 2005 – 18 U 4588/04

Karlsruhe, den 5. Dezember 2006

Pressestelle des Bundesgerichtshof

76125 Karlsruhe

Telefon (0721) 159-5013

Telefax (0721) 159-5501

 

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=2006&Sort=3&Seite=7&anz=3086&pos=232&nr=38180&linked=pm&Blank=1

 

 

Das vollständige Urteil ist unter www.bundesgerichtshof.de einsehbar.

Dass die urteilenden Richter am Bundesgerichtshof hier eine erstaunliche Kulanz bei der Zulässigkeit einer im gewöhnlichen Sprachgebrauch als Beleidigung erkennbaren Formulierung zeigten, liegt sicher daran, dass eben jene Terroristen einen ehemaligen Kollegen der heutigen Bundesrichter ermordeten:

 

Mit dem Attentat in Karlsruhe am 7. April 1977 beginnt die „Offensive 77“ der „Rote Armee Fraktion“ (RAF). Die Toten dieses ersten Anschlages sind der oberste Ankläger der Bundesrepublik, der 57-jährige Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel (30) und im Fonds Göbels Vorgesetzter Georg Wurster (33). In den folgenden siebeneinhalb Monaten hält eine Folge von Anschlägen, die Bundesbürger in Atem. Diese Zeit, die als die größte innenpolitische Herausforderung der westdeutschen Demokratie gilt, ist als „Deutscher Herbst“ bekannt geworden. Sechs Tage nach dem Anschlag übernimmt die RAF die „Verantwortung“ für den dreifachen Mord: „Am 7.4.77 hat das Kommando Ulrike Meinhof Generalbundesanwalt Siegfried Buback hingerichtet.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article794430/Die_moerderische_Offensive_77_begann_zu_Ostern_.html

 

 

Auf so viel Kulanz angesichts scharfer Wortwahl darf der gewöhnliche Bürger oder die gewöhnliche Bürgerin jedoch nicht hoffen, wo käme man da sonst im schönen Städtchen Karlsruhe hin, wenn jeder und jede nach Lust und Laune beleidigen und schimpfen darf oder gar die schönen Gehwege in Karlsruhe bespuckte? 

Während man in der Türkeiwegen "Beleidigung des Türkentums" strafrechtliche Verfolgung auf sich ziehen kann, gibt es in Deutschland derzeit noch keinen Paragrafen der Beleidigung des Deutschtums oder des Staates unter Strafe stellt. Doch was nicht ist, kann ja  so wie im nationalsozialistischen Deutschland gang und gäbe, wieder werden. Genügend hochbezahlte Interessenten an solcherart Strafverfolgung unbotmäßiger Untertanen tummeln sich ja auf allen Etagen des bürokratischen deutschen Staatsapparates. Nur noch eine gewonnene Fußballweltmeisterschaft und dann darf man sicher auch wieder die dritte Strophe des Deutschlandliedes singen und am Geburtstag des Führers die Fahne raushängen.

 

Weil nicht sein soll, was nicht sein darf, so machen im Bundesministerium der Justiz populäre antiaggressiv-domestizierende Behandlungsrezepte wie die eines "Anti-Aggressionstrainings" die Runde, vorgestellt höchstpersönlich von Brigitte Zypries der SPD-Bundesjustizministerin in Person, grad so, als sollte man eine dem Menschen immanente Fähigkeit, die ihm in Hunderttausenden von Jahren das Überleben sicherte, durch eine Training eindämmen oder gar auslöschen können. 

 

 

Berlin, 7. März 2006

Kinder besser schützen

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit Fragen der Gefährdung des Kindeswohls befasst. Die Arbeitsgruppe, die morgen zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommt, hat den Auftrag, gesetzliche Erleichterungen für familiengerichtliche Maßnahmen bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen zu prüfen. Zudem soll sie Verbesserungsmöglichkeiten in der praktischen Zusammenarbeit aller in diesen Fällen beteiligten Professionen untersuchen.

„Zum einen wollen wir feststellen, ob das vorhandene familiengerichtliche Instrumentarium ausreicht, um auf schwerwiegend verhaltensauffällige, insbesondere straffällige Kinder und Jugendliche einzuwirken. Im Blick haben wir dabei besonders staatliche Interventionsmaßnahmen gegenüber solchen Kindern und Jugendlichen, die bereits in jungen Jahren erhebliche Straftaten begangen haben. Zum anderen wollen wir untersuchen, was wir tu n können, um vernachlässigten Kindern frühzeitiger zu helfen und sie dadurch besser zu schützen“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.

Nach dem geltenden Recht (§1666 BGB) kann das Familiengericht Anordnungen treffen, die in die Rechte der Eltern eingreifen, um auf Kinder und Jugendliche erzieherisch einwirken zu können. Solche Anordnungen erfolgen, wenn das Wohl des Kindes durch missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, Vernachlässigung des Kindes, unverschuldetes Versagen der Eltern oder ein Verhalten Dritter gefährdet ist. Hinzukommen muss, dass die Eltern selbst nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, die Gefahr für das Kindeswohl abzuwenden. Das Gesetz selbst gibt keine konkreten Maßnahmen vor, sondern überlässt es dem Familiengericht, die im konkreten Einzelfall geeignete Anordnung zu treffen.

So kann das Gericht eingreifen, wenn etwa ein Kind wiederholt schwerwiegend gegen Strafgesetze verstoßen hat. Gleiches gilt, wenn ein Kind Anzeichen einer möglichen Drogenabhängigkeit erkennen lässt und damit eine Kindeswohlgefährdung gegeben ist. Je nach den Umständen des Einzelfalls kann das Gericht dann beispielsweise anordnen, dass das Kind an einem sozialen Trainingskurs teilnehmen oder durch einen Erziehungsbeistand betreut werden muss. In gravierenderen Fällen kann das Gericht anordnen, dass das Kind in einer Pflegefamilie oder im Heim untergebracht wird. Zu den möglichen Maßnahmen gehört auch die teilweise oder vollständige Entziehung der elterlichen Sorge.

„Leider werden in der Praxis die Familiengerichte oft erst sehr spät angerufen, wenn also ‚das Kind bereits in den Brunnen gefallen’ ist. Dann bleibt den Familiengerichten oftmals nur noch, mit der Entziehung der elterlichen Sorge zu reagieren. Im Interesse des Kindeswohls muss es aber unser Ziel sein, eine Kindeswohlgefährdung schon in einem möglichst frühen Stadium abzuwenden. Denn wenn das Familiengericht frühzeitig angerufen wird, reichen oft Ge- und Verbote des Gerichts an die Eltern aus. Dazu gehört etwa die Weisung, Hilfen zur Erziehung durch das Jugendamt anzunehmen. Oder das Gericht kann den Eltern eines sozial auffälligen Kindes aufgeben, zusammen mit dem Kind an einem Anti-Aggressions-Training teilzunehmen. Im Interesse der vernachlässigten Kinder müssen wir dafür sorgen, dass die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen so ausgestaltet sind, dass Kindeswohlgefährdungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgewendet werden können“, unterstrich Bundesjustizministerin Zypries in Berlin.

Voraussetzung dafür ist, dass die Familiengerichte eng mit den beteiligten Professionen kooperieren und sich austauschen. Die Aufgabenbereiche von Familiengericht, Jugendamt, Schule, Polizei, Jugendstaatsanwaltschaft und Jugendgericht sind hier eng miteinander verbunden. Dies gilt besonders für die Zusammenarbeit der Jugendämter mit den Familiengerichten. So ist es oft in erster Linie das Jugendamt, das das Familiengericht in Fällen der Kindeswohlgefährdung anruft und am gerichtlichen Verfahren mitwirkt. Zudem ist es in vielen Fällen das Jugendamt bei der Umsetzung von gerichtlich angeordneten Maßnahmen beteiligt.

Auf dem Prüfstand der Arbeitsgruppe stehen zudem die vorhandenen Bestimmungen zur Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen. Verschärfungen im Jugendstrafrecht stehen jedoch nicht zur Diskussion.

Herausgegeben vom Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums der Justiz

 

 

 

Nun kann man es sicher dem einen oder anderen Beamten im Bundesjustizministerium nicht verübeln, dass er oder sie nicht mit all zu viel aggressiver Lebenskraft versehen wurde, oder diese ihm oder ihr früh abtrainiert wurde, denn das hieße wohl von einem Beamten mehr zu erwarten als er zu geben bereit ist und dies kann sicher kein guter Bürger wollen.  

Andererseits in die Aussicht sicher ganz verlockend durch "Anti-Trainingsmaßnahmen" die verschiedensten privaten und gesellschaftlichen Probleme zu lösen. So z.B. dass die Menschen altern. Die Rentenkassen könnten z.B. ihren Versicherten  die Teilnahme an einem Anti-Alterungstraining auferlegen. Wer dies erfolgreich besucht hat, darf schon mit 67 Jahren in Rente gehen, alle anderen erst mit 70. 

Oder bei Menschen die Hunger haben aber gerade ihre Sozialhilfe für ihre Mitschulden oder für Zigaretten aufgebraucht haben. Diese könnten an einem Anti-Hunger-Kurs teilnehmen. Wer den dreiwöchigen Kurs erfolgreich durchhält, erhält einen Gutschein für eine einwöchige Fastenwanderung auf Mallorca oder einen einmonatigen Aufenthalt in Afrikas Dürregebieten.

Oder bei Menschen, die Schlafstörungen haben. Diese könnten einen Anti-Schlafstörungskurs belegen. Verweigern sie die Teilnahme, so sollte man sie mit einwöchigen Schlafentzug bestrafen oder man könnte ihnen einen höheren Beitragssatz in der Krankenkasse berechnen, denn schließlich verursachen sie durch ihre Schlafstörungen erhebliche Produktivitätsausfälle in der Volkswirtschaft. Außerdem geben sie ein schlechtes Vorbild für unsere Beamten, die ohnehin schon Mühe haben, angesichts ihrer erheblichen Arbeitsbelastung und der im Vergleich zur Freien Wirtschaft geringen Bezahlung, man denke nur an die Vorstandsgehälter bei der Deutschen Bank, wach zu bleiben. 

Oder ein Anti-Klugheits-Training für Beamte im Bundesjustizministerium. Wenn sie diesen erfolgreich besucht haben (Voraussetzung ist mindestens 90 Prozent Anwesenheitszeit im Kurs. Schlafen ist ausdrücklich erlaubt, das war schließlich auf den Parteiversammlungen der SED auch nicht anders) erlangen die Teilnehmer/innen die Berechtigung Führungspositionen im Ministerium zu übernehmen.

Wer da nun meint, das wären doch alles etwas schräge und ironisch gemeinte Vorschläge, der hat zwar vielleicht recht, aber war andererseits wohl noch nie in Belzig, einer kleinen Stadt in der Nähe von Berlin. Die Belziger Stadtverwaltung zeigt uns nämlich wie es auch gehen könnte, wenn man nur wollte.

In der Kurstadt Belzig plant man die Einführung eines neuen Bußgeldkataloges (Berliner Zeitung, 17.11.2005, S. 27). In dieser soll das Spucken auf den Gehsteig zukünftig mit 20 Euro Bußgeld geahndet werden. Nun kann man sich vor Verabschiedung eines solchen Bußgeldkataloges aber einmal fragen, warum Menschen eigentlich spucken. Dabei wird man feststellen, dass Spucken in der Öffentlichkeit ein offenbar überwiegend männliches Phänomen ist. Überdurchschnittlich oft scheinen es junge Männer zu sein, die in der Öffentlichkeit spucken. Das Spucken kann zum einen als ein Ausdruck von Coolness und andererseits als eine Art aggressiver Gebietsmarkierung angesehen werden. Gleichzeitig kann damit auch Verachtung und Abgrenzung ausgedrückt werden. Besonders oft scheinen von einer solchen Verachtung und Abgrenzung Betroffene, andere, unbeteiligte und zufällig vorbeikommende Männer zu sein. Man kann daher vermuten, dass junge Männer mit dem Spucken ihre latente Männerverachtung und damit ihre Selbstverachtung   zum Ausdruck bringen. Dies ist in unserer in Familie und Erziehung frauendominierten und von starker Männerabwesenheit gekennzeichneten Gesellschaft nicht verwunderlich. Interessant die typische gesellschaftliche Reaktion darauf. Anstatt sich darum zu kümmern, dass Jungen und junge Männer mehr positive Männerpräsenz erfahren und nicht erst nach Straftaten mit dem männlich dominierten Apparat von Polizei und Strafjustiz Bekanntschaft schließen, will man man das Spucken verbieten und damit eine der wenigen noch nicht strafbewehrten Ausdrucksformen überwiegend männlicher Aggression ächten.

 

 

Seit einiger Zeit beauflagen Gerichte, insbesondere Familiengerichte, bei bekannt gewordenen aggressiven Handlungen von Erwachsenen (Eltern) gegen Kinder oder von Erwachsenen gegen Erwachsene (Gewaltschutzgesetz) oder auch Strafgerichte bei gewalttätigen Straftaten, die tätlich Gewordenen an einem Antiaggressionstraining (Stand 2004) teilzunehmen. Wer sich solch einen Titel ausgedacht hat, und wer als Trainer unter diesem Titel arbeitet, ist wahrscheinlich nicht nur hochdepressiv und schleimerhaft, sondern verdient es auch öffentlich in aggressiver Weise geohrfeigt zu werden. Doch da das nicht der political correctness  entspricht, tun wir hiermit in antiaggressiv geschulter Weise (10 Wochen Intensivlehrgang) Abbitte und versprechen - Rückfälle vorbehalten - umgehende und täuschend echt anmutende Besserung.

Dass die Teilnahe an einem "Antiaggressionstraining" nicht selten eine reine Alibiveranstaltung sein mag, macht uns auf drastische Weise der "Messerstecher vom Tegeler See" klar, der nach gerichtlich auferlegter Teilnahme an einem solchen Training, bei erst bester Gelegenheit einen Menschen abschlachtet.

 

 

15. Juni 2007, 09:07 Uhr

Von Michael Behrendt und Jens Anker

Messerstecher vom Tegeler See in Haft

Nach den tödlichen Messerstichen auf einen 23-Jährigen aus Reinickendorf hat ein Richter Haftbefehl gegen den 17 Jahre alten mutmaßlichen Täter erlassen – wegen Mordes aus Heimtücke. Dass der Beschuldigte wegen einer Messerstecherei bereits vorbestraft ist, gibt Anlass zur Kritik am Umgang mit Straftätern.

Nach den tödlichen Messerstichen auf einen 23-Jährigen aus Reinickendorf hat ein Richter am Donnerstag Haftbefehl gegen den 17 Jahre alten Erol A. erlassen – wegen Mordes aus Heimtücke. Dem Türken wird vorgeworfen, Darius E. in einem Moment in den Rücken gestochen zu haben, als er "arg- und wehrlos" war. Im Internet haben Freunde von Darius E. inzwischen eine Nachrufseite installiert.

Der junge Mann war am frühen Dienstagabend an einer Badestelle am Tegeler See erstochen worden, als er einem älteren Herrn zu Hilfe eilen wollte, der von Erol A. und zwei Begleitern angegriffen worden war. Der bislang nicht identifizierte Badegast hatte die drei sowie deren zwei Freundinnen aufgefordert, ihren Müll nicht wegzuwerfen.

Darius E. wurde die Klinge bis zum Heft in den Körper gerammt. Sie verletzte eine Hauptschlagader. Das Opfer soll noch aufgestanden sein und die Flucht ergriffen haben, sei dann aber nach wenigen Metern zusammengebrochen und verblutet. Alle Rettungsversuche blieben erfolglos.

Der Beschuldigte äußert sich nicht zu den Vorwürfen

„Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete der Ermittlungsrichter am Amtsgericht den Vollzug der Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und der Beteiligung an einer Schlägerei an“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald. Darius E. hatte nach Angaben eines Ermittlers dem 17-jährigen Erol A. gerade den Rücken zugedreht, als ihm mit dem Klappmesser in den Rücken gestochen wurde. Der Beschuldigte hat sich vor dem Haftrichter zu den Tatvorwürfen nicht geäußert.

...

 

Forderung nach härterem Umgang mit Straftätern

Der mutmaßliche Täter ist wegen einer Messerstecherei bereits vorbestraft. Erol A. war erst im April dieses Jahres wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer einjährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden, weil er zwei Menschen mit einem Messer verletzt hatte. Innerhalb der Polizei wächst jetzt die Kritik an der Entscheidung des damaligen Richters, dem Jugendlichen Bewährung zu gewähren. „Wir fangen die Täter ein, die Justiz lässt sie laufen, und später sterben Menschen“, sagte ein Kriminalbeamter. Ein anderer forderte einen härteren Umgang mit Straftätern und weniger Toleranz.

Dass Erol A. nicht in Haft saß, liegt nach Angaben des Berliner Justizsprechers Söhnke Volkens an den juristischen Vorgaben. „Die Bewährung kann nur widerrufen werden, wenn nachgewiesen ist, dass der Beschuldigte weitere Straftaten verübt hat“, sagte Volkens. Ein Verdacht, sogar eine Anklage, reiche dafür nicht aus. Rechtlich gelten auch Angeklagte noch als unschuldig. Erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung kann der zuständige Richter den Antrag auf Widerruf der Bewährung auf den Weg bringen. Allerdings kann der Richter die Bewährung schon dann widerrufen, wenn ein Täter ein umfassendes und glaubhaftes Geständnis abgelegt hat.

Die Richter ließen sich täuschen

Nach Informationen von WELT ONLINE hatte Erol A. nach der damaligen Straftat sofort ein Antiaggressionsseminar absolviert und offenbar auf diese Weise die Richter davon überzeugt, sich von nun an im Griff zu haben. Eine falsche Darstellung, wie sich nun zeigte. Die Justizverwaltung wollte sich am Donnerstag nicht zu den tödlichen Stichen äußern. Es sei ein „tragischer Fall“, sagte Justizsprecherin Barbara Helten lediglich.

...

http://www.welt.de/berlin/article947887/Messerstecher_vom_Tegeler_See_in_Haft.html?page=3

 

 

 

Doch Sarkasmus beiseite. Wenn man schon das Vorwort Anti (macht sich immer gut: Antikommunisten, Antifaschisten, Antialkoholiker und Antisexisten) dabei haben will, so sollte man das ganze wenigstens Antigewalttraining nennen. Gewalt ist etwas anderes als Aggression. Wir können fast immer gut und oft auch besser ohne Gewalt leben, wobei in bestimmten Lebenssituationen auch Gewalt legitim ist. Wer wollte es z.B. jemanden verdenken, der in der Nacht in einer dunklen Straße angegriffen wird und sich mit Gewalt gegen den Angriff zur Wehr setzt.  Aber auch der Begriff des "Antigewalttraining" ist nicht der Weisheit letzter Schluss, denn auch Gewalt kann eine wertvolle und zu bejahende Kraft sein, wenn sie an der richtigen Stelle und mit einem wertschätzenden Blick auf den Menschen eingesetzt wird. Und wie sagte Benny von der Olsenbande doch immer so schön: Mächtig gewaltig Egon. 

Wo er recht hat, hat er recht.

 

 

 

 

 

Aggression und Konflikt als Chance 

 

Abenteuer Konflikt zeigt, dass man Konflikte auch anders sehen kann, als es uns die die zahnlose SPD glauben machen will.

 

 

„Abenteuer Konflikt"- Kursprogramm 2005/2006 in ziviler, gewaltfreier Konfliktbearbeitung

Im Herbst beginnen fünf Grundkurse zur Konfliktbearbeitung; darunter ein interreligiöser, christlich-islamischer Kurs und eine Seminarreise "Abenteuer Konflikt", die beispielhafte Friedensinitiativen in Deutschland besucht. Angeboten werden auch Info- und Einführungsseminare, z.B. zu "Gewaltfreier Kommunikation" oder "Konflikte in Gruppen meistern". Spezielle Angebote, wie ein internationales Training "Gewaltfreiheit im Kontext von Krieg", richten sich an Friedensfachkräfte, die in Auslandsprojekten tätig sind. 

Das Kursprogramm 2005/2006 ist kostenlos erhältlich bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, Blücherstr. 14, 53115 Bonn, fon: 0228 - 249990, agdf@friedensdienst.de oder unter www.friedensdienst.de herunter zu laden. Die erfolgreiche Teilnahme an den Kursen wird nach den Standards des Qualifizierungsverbundes zertifiziert.

 

 

Konflikte sind mit Aggression verbunden. Aggression ist eine wunderbare dem Menschen und allen Lebeweisen gegebene Eigenschaft, ohne die er gar nicht überlebensfähig wäre. Es kommt also nicht darauf an, seine Aggression zu bekämpfen, das führt bestenfalls zu Schlaflosigkeit, Zahnfäule und Depression, deutschlandweit in allen Schichten allgemein verbreitet, sondern es kommt darauf an, einen konstruktiven Umgang mit eigenen und fremden Aggressionen zu entwickeln. So wie der Teufel und der liebe Gott, so sind Aggression und Liebe zwei unzertrennliche siamesische Zwillinge. Wer den einen töten will, tötet den anderen auch. Bekanntlich ist Teufel Luzifer der Lichtbringer nichts anderes als ein gefallener Engel.

Wir meinen, es geht um einen konstruktiven Umgang mit Aggression und um die Vermeidung von destruktiver Gewalt und daher sollte man Trainingsmaßnahmen dementsprechend auch Aggressionstraining nennen. 

Folgerichtig erscheinen uns Seminare wie das folgende als recht nützlich und die Justizverwaltungen könnten einmal überlegen, ob sie nicht als erstes einmal ihren eigenen Mitarbeitern die Teilnehme an einem solchen Training ans Herz legen:

 

 

"Furchtbar & Fruchtbar - die Kraft der Aggression" 2005

körperorientierte Selbsterfahrung für Frauen und Männer

Liebe Interessenten und Interessentinnen,

auch im kommenden Jahr bieten wir Ihnen und allen Ihren interessierten Freunden wieder zwei Einführungen (Potsdam und Pforzheim), sowie eine Intensivwoche (Toskana) an.

Der Preis für das Seminar in Potsdam beträgt in Abänderungen zu früheren Ankündigungen 190,- Euro .

"Furchtbar & Fruchtbar - die Kraft der Aggression" - Einführungen

Termin: 04. - 06. Februar 2005, Freitag 18:30 Uhr bis Sonntag 13:30 Uhr

Ort: Potsdam, Tagungshaus "BlauArt", Kooperation: Manne e.V. Potsdam

Kosten: 190,- Euro pro Person zzgl. Unterkunft und Verpflegung (Doppelzimmer 115,- Euro pro Wochenende)

Termin: 17. - 19. Juni 2005, Freitag 18:30 Uhr bis Sonntag 13:30 Uhr

Ort: Pforzheim, Hohenwart Forum (auch Veranstalter)

Kosten: 200,- Euro pro Person zzgl. Unterkunft und Verpflegung (Doppelzimmer 123,50 Euro / Einzelzimmer 131,50 Euro pro Wochenende)

 

Thomas Scheskat und Heide Gerdts

Thomas Scheskat Göttinger Institut für Männerbildung

Am Mühlengraben 2

37083 Göttingen

Tel. 0551-7704913,

Fax 0551-7708128

info@gim-goettingen.de

www.gim-goettingen.de

 

Heide Gerdts

Institut Femme Vitale Hamburg

Donnerstr. 10

22763 Hamburg

Tel. 040 - 39 90 63 66

Fax 040 - 80 77 93 32

h.gerdts@institutfemmevitale.de

www.institutfemmevitale.de/hamburg

 

 

Die Preise für die Seminare mögen manchen Unvertrauten erschrecken. Doch wer die steuerfinanzierten Tagessätze für einen Platz im Strafvollzug mit über 100 € pro Tag kennt, kann darüber nur müde lächeln. 

 

 

Wilhelm Reich hat sich schon in den 40er Jahren, in einer heute noch lesenswerten Weise,  mit der Thematik der Aggression auseinander gesetzt und hier die vorzufindenden gesunden und kranken Anteile beleuchtet. Die Autoren des Duden Fremdwörterbuches hätte er womöglich als aggressionsgehemmte Menschen charakterisiert und ihnen eine Charakteranalyse empfohlen.

 

Die Aggression im strengen Sinne des Wortes hat weder mit Sadismus noch mit Destruktion zu tun. Das Wort bedeutet »herangehen«. Jede positive Lebensäußerung ist aggressiv. Die sexuelle Lusthandlung ebenso wie die destruktive Haßhandlung, die sadistische Handlung ebenso wie die Nahrungsbesorgung. Die Aggression ist die Lebensäußerung der Muskulatur, des Systems der Bewegung. Die Bedeutung dieser Korrektur für die Beurteilung der heutigen Kindererziehung ist groß. Ein großes Stück der Aggressionsbremsung, die unsere Kinder in vernichtender Weise zu erdulden haben, folgt aus der Gleichsetzung von »aggressiv« mit »bösartig« oder »sexuell«. Das Ziel der Aggression ist stets die Ermöglichung der Befriedigung eines lebenswichtigen Bedürfnisses. Die Aggression ist somit kein Trieb im eigentlichen Sinne, sondern das unerläßliche Mittel jeder Triebregung. Diese ist an sich aggressiv, weil die Spannung zur Befriedigung drängt. Es gibt daher eine destruktive, eine sadistische, eine lokomotorische und eine sexuelle Aggressivität.

Ist der aggressiven Sexualität die Befriedigung versagt, so bleibt der Drang zurück, sie dennoch durchzusetzen. Dann entsteht der Impuls, die zu erzielende Lust mit allen Mitteln zu gewinnen. Die aggressive Note beginnt die der Liebe zu übertönen. Ist das Lustziel völlig ausgeschaltet, unbewußt geworden oder mit Angst besetzt, dann wird die Aggression, die ursprünglich nur Mittel war, selbst zur spannungslösenden Handlung. Sie wird als Lebensäußerung lustvoll. So entsteht der Sadismus. Durch den Verlust des eigentlichen Liebesziels entwickelt sich Haß. Man haßt am schwersten, wenn man am Lieben oder Geliebtwerden verhindert ist. Dadurch kommt die Vernichtungsabsicht mit sexuellen Zielen in die aggressive Handlung. Dem entspricht etwa der Lustmord. Seine Vorbedingung ist die komplette Sperrung der Fähigkeit, auf natürliche Weise genitale Lust zu genießen. Die Perversion »Sadismus« ist somit eine Mischung von ursprünglichen sexuellen mit sekundären destruktiven Impulsen. Sie kommt im Tierreiche nicht vor und ist eine spät erworbene Eigenheit des Menschen, ein sekundär entstandener Trieb.

Jede Art von selbständig auftretender destruktiver Handlung ist die Reaktion des Organismus auf die Versagung einer lebenswichtigen Bedürfnisbefriedigung, vor allem der sexuellen.

...

 

aus: 

Reich, Wilhelm

Die Funktion des Orgasmus. Sexualökonomische Grundprobleme der biologischen Energie"

Kiepenheuer & Witsch, 7. Aufl. 2000, S. 120

1942, 1948, 1961 Orgone Institute Press, Inc.

 

 

 

Der Gegenpart des Sadismus ist der Masochismus. Masochistische und sadistische Anteile können bei ein und der selben Person Hand in Hand gehen. Bei sadomasochistisch fixierten Paaren, egal ob heterosexuell oder homosexuell gibt es oft eine gegenseitige Verständigung über die jeweils zu übernehmende Rolle.  Die Rollenverteilung kann relativ stabil sein aber auch getauscht werden.

 

Ma|so|chis|mus, der; - [nach dem österr. Schriftsteller L. v. Sacher-Masoch (1836-1895)]: a) <o. Pl.> Veranlagung, bei der sexuelle Erregung u. Befriedigung durch Erleiden von Misshandlungen durch den Geschlechtspartner erreicht wird;

Sa|dis|mus, der; -, ...men [frz. sadisme, nach dem frz. Schriftsteller Marquis de Sade (1740-1814)]: a) <o. Pl.> anormale Veranlagung, beim Quälen anderer zu sexueller Erregung, Lust zu gelangen; b) <o. Pl.>

(abwertend) Lust am Quälen, an Grausamkeiten;

Sa|do|ma|so|chis|mus, der; -, ...men: a) <o. Pl.> anormale Veranlagung, beim Ausführen u. Erdulden von Quälereien zu sexueller Erregung, Lust zu gelangen;

 

aus: "Duden", CD-ROM, Brockhaus-Verlag 

Datum "1993 - 1997"

 

 

Sadomasochismus - Oberbegriff für Sadismus und Masochismus; verdeutlicht, dass zwischen beiden Verhaltensweisen kein unüberbrückbarer Gegensatz, sondern Komplementarität besteht. einvernehmliche Sadomasochisten wechseln daher auch zwischen beiden Rollen.

 aus: "Pschyrembel "Klinisches Wörterbuch 1994

 

 

Ungefähr 3 Prozent der deutschen Frauen und Männer sollen sadomasochistische Neigungen haben. Wobei es hier wie überall auf die Art der Definition ankommt. Wird die Definition für SM entsprechend weit gefasst, so hat wahrscheinlich jeder Mann und jede Frau auch sadomasochistische Neigungen. 

Eine in der Szene durchgeführte Statistik hat ergeben, dass sowohl bei den Frauen als auch bei den Männer der weitaus größere Teil devot bzw. masochistisch ausgerichtet ist.

 

 

 

Wer die Möglichkeit hat, sich aufmerksam und kritisch mit Anhängern der Anthroposophie und hier insbesondere mit Anhängern der Waldorfpädagogik auseinander zu setzen, wird wahrscheinlich bemerken, dass diese oft stark masochistisch geprägt erscheinen. Harmonie kann als eines der heimlichen Grundgebote der Waldorfbewegung bezeichnet werden. Möglicherweise ist dies auch ein Grund für den nach wie vor hohen Zulauf von Eltern den die Waldorfschulen verzeichnen können. Die Eltern sind der ewigen Lebenskonflikte und des rauhen Alltages satt. An der Staatsschule herrschen teilweise Zustände, die man seinen Kindern und sich selbst als Eltern zu recht nicht antun will. Die Waldorfschule erscheint da als ein Ort der Glückseligkeit und Harmonie. Eurythmie, Architektur und Schrift verraten die große Sehnsucht nach der Harmonie und Konfliktlosigkeit. Die Gebäude und die Buchstaben sind abgerundet, nur ja keine Ecken und Kanten.

Natürlich ist das unausgesprochene Harmonieversprechen der Waldorfbewegung prinzipiell nicht einlösbar. Ein Indiz dafür dürfte auch die hohe Fluktuation unter den Walddorflehrern sein. Wenn das Austragen von Konflikten tabuisiert ist, so müssen die Konflikte verdeckt ausgetragen werden. Das ist gewissermaßen ein psychologischer Energieerhaltungssatz. Hierbei ist aber im Gegensatz zum offenen Streit keine Klärung und Versöhnung möglich. Und so wird wie auch in vielen entzwei gehenden Partnerschaften mit den Füßen abgestimmt. Einer geht, der andere bleibt.

Probleme unter den Teppich kehren oder nach Sündenböcken suchen, seien es renitente Schüler, die der Schule verwiesen werden - oder besser noch "von selber gehen" oder unangepasste Eltern bei denen Schuldgefühle erzeugt werden ist natürlich kein alleiniges Problem von Waldorfschulen, doch hier scheint eine besonders guter Boden vorhanden zu sein. Für Übernahme von Schuldgefühlen bieten sich große Teile der Waldorfelternschaft gerade zu an, denn das sich schuldig fühlen, ist untrennbarer Bestandteil des masochistischen Charakters.

Wie Dethlefsen und Dahlke in ihrem Buch "Krankheit als Weg" schreiben, kann man den sogenannten Rheumatismus (Polyarthritis) als eine somatisierte Aggressionshemmung auffassen. 

 

"Der Rheumatiker hemmt seine Aggression auf der motorischen Ebene, d.h., er blockiert die Energie im Bereich der Muskulatur. ... Die somit nicht entladende Energie bleibt in der Gelenkmuskulatur unverbraucht stecken und verwandelt sich dort in Entzündung und Schmerz."

Dethlefsen, Thorwald; Dahlke, Rüdiger: "Krankheit als Weg", Goldmann Verlag 1990, S. 296

 

Was Wunder, wenn auch Rheumatiker überdurchschnittlich häufig den Weg in die Waldorfschule finden dürften. Doch die masochistischen Bedürfnisse von Männern und Frauen sind mitunter so groß, dass auch die Waldorfschule für ihre Befriedigung nicht auszureichen scheint.

 

Datum: 08.10.2004

Ressort: Lokales

Autor: Lutz Schnedelbach, Katrin Bischoff

Seite: 18

 

Nach Sex-Mord: Täter muss zum Psychiater

Staatsanwaltschaft will Schuldfähigkeit untersuchen lassen

Gegen den 41-jährigen Ralf M. aus Neukölln, der seinen Liebhaber beim Sexspiel getötet und zerstückelt haben soll, ermittelt die Polizei nun wegen "heimtückischen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebes". Der Mann werde demnächst einem Psychiater vorgestellt, der die Schuldfähigkeit des Tatverdächtigen untersuchen soll, teilte Justizsprecher Frank Thiel am Donnerstag mit.

Der arbeitslose Anstreicher hatte sich am Dienstagabend bei der Polizeiwache an der Rollbergstraße gemeldet und gestanden, seinen Liebhaber tags zuvor bei sadomasochistischen Praktiken getötet zu haben. Er selbst führte die Beamten zu seiner Wohnung in der Neuköllner Kopfstraße. Dort fand die Polizei die teilweise zerstückelte Leiche des 33-jährigen Joe R. aus Friedenau. Der Oberkörper des Toten war ausgeweidet. Joe R. war bei den Sexspielen, die nach Angaben von Ralf M. im beiderseitigen Einvernehmen stattgefunden hatten, mit einem Schraubendreher erstochen worden.

Keine Hinweise auf weitere Opfer

Die Ermittler gehen davon aus, dass bei der Tat durchaus auch kannibalistische Fantasien bei Ralf M. eine Rolle gespielt haben könnten. Dies werde aus dem Geständnis des Mannes und dem Tatortbefund deutlich, hieß es. "Es gibt allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass der 41-Jährige tatsächlich vom Fleisch seines Opfers gegessen hat", sagte Justizsprecher Thiel. Es sei auch nicht wahrscheinlich, dass Joe R. noch lebte, als sein Körper verstümmelt wurde. Hinweise auf weitere Opfer haben Polizei und Staatsanwaltschaft derzeit nicht.

Opfer und Täter hatten sich im Internet in einem Homosexuellen-Chat kennen gelernt und verabredet. Am Montag trafen sie sich bereits zum dritten Mal in der Wohnung von Ralf M., der von den Nachbarn als äußerst zurückhaltend und freundlich beschrieben wird. Der Mann habe selten seine Wohnung verlassen, lebte nur mit einer Katze zusammen, hieß es. Von Besuchen wusste kein Nachbar zu berichten.

Das 33-jährige Opfer Joe R. hatte als Musiklehrer in einer Waldorfschule in Mitte gearbeitet. Er war der Sohn eines Obdachlosenpfarrers aus Kreuzberg, der 2003 an einer schweren Krankheit gestorben war. Unklar ist, ob Joe R. bei den sadomasochistischen Praktiken unter Drogen - so genannten Poppers - gestanden hatte. Die Psychodrogen werden besonders in der Homosexuellen-Szene angewandt. Sie mindern bei gewissen Praktiken den Schmerz. In der Szene heißen diese Poppers "Flüssiges Gold", "Rave" "Amyl", "Snappers" und "Rush".

... 

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/1008/lokales/0038/

 

 

 

Natürlich gibt es nicht nur an Waldorfschulen Menschen mit starken masochistischen und / oder homosexuellen Neigungen, doch es ist schon auffällig welch starke Anziehungskraft die Waldorfschule für diese Menschen zu haben scheint.

Was veranlasst nun wie im geschilderten Beispiel des Neuköllner "Lustmordes" den Sadisten sein Opfer zu quälen und wie hier geschehen sogar zu töten und zu zerstückeln? Es sei in Anlehnung an Wilhelm Reich die These gewagt, dass der Täter Ralf M.  (ein arbeitsloser Anstreicher)  mit seinem gleichgeschlechtlichen Opfer wie auch umgekehrt das Opfer mit dem Täter ein Sohn-Vater Drama inszeniert hatte. Im Falle des Sadisten kann man vermuten, dass dieser - warum auch immer - einen Vater hatte, dem er übermäßig starke Hassgefühle entgegenbringt. Der Vater des Sadisten muss nicht notwendiger Weise selbst sadistisch gewesen sein. Möglicherweise war er völlig haltlos und für den Sohn unansprechbar oder unerreichbar. Der Sadist projiziert seine Hassgefühle auf sein Opfer den Waldorflehrer und Musiklehrer Joe R. 

Der Masochist bietet sich dagegen dem Sadisten als projizierten Vater als Opfer dar. Er scheint von großen Schuldgefühlen gegenüber dem Sadisten beherrscht zu sein. Joe R.`s Vater war Pfarrer für Obdachlose, der vor einem Jahr an einer schweren Krankheit gestorben sein soll. Eine moralische Instanz, der sich um die Leute ganz unten auf der sozialen Leiter kümmerte und gleichzeitig ganz oben mit Gott, der obersten Instanz in direkter Verbindung stand. Einem solchen Vater, der direkt neben Gott zu stehen scheint, kann es ein Sohn möglicherweise nicht recht machen. Es bleibt nur die völlige Unterwerfung. Grad so wie es im Vaterunser angedeutet wird:

 

Vater unser,
Der Du bist im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
Wie im Himmel
So auch auf Erden. 
Unser tägliches Brot gib uns heute,
Und vergib uns unsere Schuld,
Wie auch wir
Vergeben unser'n Schuldigern,
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen,
Denn Dein ist das Reich
Und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit. 


Vater unser,
Der Du bist im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
Wie im Himmel
So auch auf Erden.
Amen. 


 

 

 

 

Aggressivität

Von der Aggression ist die Aggressivität zu unterscheiden. Als Aggressivität kann man eine mehr oder weniger unbewusste, habituell, also typbestimmende, Haltung eines Menschen bezeichnen. Aggressivität ist in diesem Sinne eine mehr oder weniger stabile Persönlichkeitseigenschaft.

Unser Alltag ist voll von kleinen und großen frustrierenden Erlebnissen, die wir oft widerspruchslos schlucken (Introjekte) und dafür körperliche Beschwerden, z.B. Magenbeschwerden, Zahnverfall bekommen, statt uns mit ihnen auseinander zusetzen, also aggressiv zu werden. Frederick Perls, der Begründer der Gestalttherapie hat sich mit dieser Thematik ausführlich und qualifiziert auseinandergesetzt. 

Wenn man sich heute allein einmal ansieht, wie viele Väter in Deutschland von der Bundesregierung zum Narren gehalten werden, in denen man ihnen das Recht auf elterliche Sorge für ihre Kinder verweigert, dann muss man sich eigentlich wundern, warum nicht jeden Tag in Berlin Demonstrationen aufgebrachter Väter stattfinden. Erklärbar wird dies mit der Aggressionsgehemmtheit vieler Männer. Lieber scheint man sich Blitzableiter und Sündenböcke (Projektion) zu suchen, so vielleicht Ausländer oder Dienstunterstellte, an statt den Verantwortlichen in den zuständigen Bundesministerien mit rechtsstaatlichen Mitteln auf die Pelle zu rücken und diese auf den Weg des demokratischen Rechtsstaates, in dem Diskriminierungen auf Grund des Geschlechtes verboten sind, zu geleiten.

Die Verdrängung der Aggressivität führt paradoxerweise genau zu dem, was sie angeblich häufig verhindern soll - zu Gewalt gegen andere Männer, Kinder oder Frauen. Häufig beobachtbar richten Männer Gewalt aber auch  gegen sich selbst. Alkoholismus und Suchtmittelmissbrauch bis hin zum Suizid, Männer sind nicht wählerisch wenn es gilt, Gewalt gegen sich selbst zu kehren. 

Es gilt jedoch gewalttätigen Energien eine Richtung zu geben, in der sich konstruktive Veränderungen ereignen können. Dazu bedarf es der Aggression 

 

 

 

 

Literatur:

Sophinette Becker: "Das weibliche Körperselbst und die Perversion. Warum Frauen sexualisierte Aggressionen anders externalisieren als Männer", In:  "Forum Psychoanalyse", 2005, 21: 242-254

Claudia Heyne: "Täterinnen. Offene und versteckte Aggressionen von Frauen"; Kreuz Verlag Zürich 1993  

Claudia Leeb: "Die Zerstörung des Mythos von der friedfertigen Frau. Eine qualitative Forschungsstudie über den Einfluß von sozialen Gruppenkontexten auf das direkte Aggressionsverhalten von Frauen"; Frankfurt am Main [u.a.]; 1998,  XII, 221 S.; ISBN 3-631-32224-0; Europäische Hochschulschriften : Reihe 22, Soziologie ; Bd. 313

Katja Obenhausen: "Von Frau zu Frau. Verständnis versus Zorn: Konflikte in Frau-Frau-Analysen"; In: "Forum Psychoanalyse", (2002) 18: 276-299

 

 

 

Filme:

 

No Country For Old Men (Thriller-Drama)

USA 2007

Kinostart: 28.02.2008

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Schauspieler:

Javier Bardem als Anton Chigurh

Josh Brolin als Llewelyn Moss

Tommy Lee Jones als Tom Ed Bell

Kelly Macdonald als Carla Jean

Woody Harrelson als Wells

1980 in Südwest-Texas: Der einfache Arbeiter Llewelyn Moss (Josh Brolin) lebt mit seiner Frau Carla Jean (Kelly Macdonald) ein bescheidenes Leben in einem Wohnwagenpark. Beim Antilopen jagen in der weiten Prärie stolpert er über ein Massaker. Hier ist offensichtlich ein Drogendeal ganz gewaltig schief gelaufen. Mehrere Leichen liegen verstreut herum, lediglich ein Mexikaner (Chip Love) hat schwer verletzt überlebt. Llewelyn macht keine Anstalten, dem Sterbenden zu helfen. Auch den Pickup-Truck voller Drogen lässt er links liegen, sichert sich stattdessen die 2,4 Millionen Dollar in einem Koffer. Doch dann begeht Llewelyn einen schweren Fehler. Als er sich noch einmal zurück an den Tatort macht, um dem Schwerverletzten Wasser zu bringen, bekommt er unliebsamen Besuch. Fortan machen die Urheber des verpatzten Deals Jagd auf Llewelyn. Ganz besonders unangenehm ist der brutale, völlig skrupellose Profikiller Anton Chigurh (Javier Bardem), dessen Weg im wahrsten Sinne des Wortes Leichen pflastern. Llewelyn steht jedoch nicht ganz allein da. Dorfsheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) weiß, in welcher Gefahr sich der Gejagte befindet und will ihn retten. Doch der Gesetzeshüter trottet den Leichenbergen, die Chigurh überall hinterlässt, stets einen Schritt hinterher…

Carsten Baumgardt

www.filmstarts.de/produkt/71611,No%20Country%20For%20Old%20Men.html

 

 

Welche Bedeutung könnte die Filmhandlung und im besonderen der im Mittelpunkt des Filmes stehende Profikiller Anton Chigurh mit dem uns hier interessierenden Thema der Aggression haben?

In der Figur des Anton Chigurh finden wir starke psychopathische und schizoide Anteile. Die Grunderfahrung des Psychopathen ist: "Wenn du schwach bist, wirst du ausgenutzt; wenn du stark bist hast du alle Freiheiten." (vgl. Roland Bäurle: Körpertypen, 1988). Auf Grund seiner psychopathischen Grundstruktur ist der Psychopath aber nicht wirklich frei, denn er ist in seiner Grundüberzeugung gefangen, die ihm viele Erfahrungsbereiche wie z.B. Liebe, Mitgefühl, Empathie, Trauer, etc. versperrt.

Der Psychopath fühlt sich durch seine inneren Dämonen bedrängt und projiziert diese Bedrängung auf reale Menschen, die er stellvertretend für den Kampf mit seinen inneren Dämonen angreift.

Der Psychopath muss sich immer wieder seiner Macht vergewissern und so kann es nicht wundern, wenn der Profikiller Anton Chigurh aus seiner Not eine Tugend macht, in dem er im Auftrag fremder Leute Menschen tötet und so es ihm gerade passt auch Unbeteiligte, die zufällig seinen Weg kreuzen.

In der Figur des Anton Chigurh scheint aber auch ein starker schizoider Anteil auf. Das Grundgefühl des Schizoiden ist, allein zu sein und gejagt zu werden. Anton Chigurh wendet seine Angst vor dem gejagt zu werden, in dem er selber jagt. Er tut es jedoch nicht aus einer sozialen Grundüberzeugung, so wie etwa der Dorfsheriff Ed Tom Bell, der sich als treuer Wächter des Gesetzes und damit als Sachwalter der Interessen der meisten Menschen versteht. Dorfsheriff Ed Tom Bell kann deshalb, wenn auch nicht ohne Widersprüche, gegen Ende des Filmes in den Ruhestand gehen, während Anton Chigurh innerlich weiter gejagt, Carla Jean tötet, ohne dass hier ein Zusammenhang zum ursprünglichen Auftrag die 2,4 Millionen Dollar zurückzuholen, bestünde. 

Der Psychopath lebt seine Aggressionen in einer Art Dauerfeuer nach außen, so etwa bei Adolf Hitler oder in versteckter Form in der Sprachregelung der Nato von der Vorwärtsverteidigung in den siebziger und achtziger Jahren zu finden. Der Typ des männlichen Vergewaltigers benutzt seinen erigierten Penis als eine Art Waffe, mit dem er die Frau durchbohren und bestrafen will. Der Schizoide lebt sein Bedürfnis nach Aggressionen durch das Errichten von Schutzwällen, Stacheldraht und Zurückgezogenheit (so etwa beim sogenannten Vaginismus schizoider Frauen zu finden). 

Der oder die Schizoide zeichnet sich durch eine starke emotionale Zurückgezogenheit und autistische Züge aus. Gelegentlich, wenn ihm (oder ihr) trotz seiner Zurückgezogenheit die äußeren Reize zu stark werden und er keine angemessene Möglichkeit des Rückzuges mehr sieht, greift der/die Schizoide auch an. Im Extremfall kann das bei äußerlich stark an das Umfeld angepassten, eher unauffällig wirkenden schizoiden Männern dazu führen, dass diese anscheinend völlig grundlos ihre Ehepartnerin töten oder Amok laufen. Hier entlädt sich die aufgestaute aggressive Energie des Schizoiden eruptiv, ähnlich wie bei einem Vulkanausbruch.

 

 

 

 

 

Anfragen und Mitteilungen zum Thema

Unsere E-Mail Beratung ist kostenfrei für die erste von Ihnen an uns gesendete E-Mail und unsere darauffolgende Rückmeldung, bzw. unsere Antwort auf Ihre Fragen. Für eventuelle weitere Korrespondenz, in der wir ausführlicher als in unserer ersten Rückmeldung auf Ihre Fragen eingehen können, kostet je E-Mail 20 €.

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Falls Sie eine persönliche oder telefonische Beratung wünschen, finden Sie nähere Informationen hier.

 

Nachfolgend können Sie ausgewählte Anfragen an uns und unsere Antworten darauf einsehen. Die persönlichen Angaben (Namen, Alter, Orte, etc.) der Absender und anderer beschriebener Personen wurden teilweise verfremdet, um die Anonymität der betreffenden Personen zu wahren.

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Freitag, 19. Juli 2013 00:35

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Hilfe

 

Guten Tag,

Ich bin ... und 33 ... um es kurz zu machen ertappe ich mich immer häufiger wegen Kleinigkeiten an die decke zu gehen, nicht das ich um mich schlage oder sonst was auf gar keinen fall schlage ich frau, kind oder bekannte ... aber ich bin ihnen gegenüber so unheimlich aggressiv ... meinem kind gegenüber meiner frau meinem chef meinen freunden ... jeder der mich nun schon ne weile kennt weiß das ich total lieb bin und niemandem etwas tue ich erledige meine pflichten versuche jedem zu helfen wo es nur geht ... aber ich reagiere sehr schnell extrem ungehalten ... jeder chef hätte mich z.b längst entlassen ... das gute daran ist mein chef ist mein Freund und er kennt mich so ... weil wir beide wissen 5 min später ist alles wieder gut ... meine frau sagt oder macht mal etwas verkehrt ... da schrei ich gleich rum, ich will nicht so sein ... das macht mich fertig und belastet mich sehr ... zudem das schlechte Gewissen gegenüber derer die mich so erleben ...

M.f.g ..

...

 

 

 

 

Hallo Herr ...,

vermutlich sitzen Sie auf irgendeinem alten Ärger, den Sie noch nicht verarbeitet haben. Oder es gibt einen latenten Ärger, dem Sie nicht nachgehen und dem Sie nicht abhelfen. So bleibt dann nur noch "Dampf ablassen", wenn es die Situation "erlaubt".

Womöglich sind Sie aber einfach nur zu lieb. Schau`n Sie sich mal die alte TV-Sendung mit "Ekel Alfred" an, der macht es genau umgekehrt, hat an allem was auszusetzen, keiner macht es ihm richtig, kurz gesagt, er tyrannisiert ständig die ganze Familie. Das kann auch eine Strategie sein.

 

Beste Grüße

 

Peter Thiel

 

 

 

 

 

 


 

 

-----Original Message-----

From: ...

Sent: Monday, February 20, 2012 12:18 PM

To: info@maennerberatung.de

Subject: Traumdeutung

 

Guten Tag,

 

über obigen Begriff habe ich (48 Jahre) Ihre sehr interessante Webseite gefunden.

 

Heute morgen hatte ich einen Traum, dessen Bedeutung mir bisher nicht klar ist.

Erinnern kann ich nur noch einen Mann, der an Händen und Füßen Ketten hatte.

Ich habe ihn an die Wand geschlagen und schließlich aus dem Fenster geworfen.

 

Ich halte mich für eine Frau mit sehr wenig Aggressivität.

Vielleicht unterdrücke ich diese aber auch sehr gut.

 

Gestern abend bis heute morgen hatte ich Besuch von meinem Freund.

Er ist genauso alt wie ich. Wir sind seit knapp 3 Monaten ein Paar und in Liebe verbunden. 

 

Weder mit dem Abend noch mit dem Sex war ich wirklich zufrieden, auch nicht mit meiner üblichen Schlaflosigkeit.

Aber das kommt vor. Als Frau kann man ja auch nicht ständig nörgeln, obwohl ich schon direkt sage, wenn mir etwas nicht passt.

Manchmal wirds dann besser, manchmal nicht.

 

Wie würden Sie meinen Traum deuten? War ich einfach nur verärgert oder bin ich vielleicht sogar selbst der Mann in Ketten????

 

Herzlichen Dank und viele Grüße!

 

 

 

Hallo Frau ... ,

Ihr Traum zeugt von Vitalität.

Wäre ich Psychoanalytiker würde ich meinen, dass das vielleicht Ihr Vater ist, den Sie früher so erlebt haben und den Sie am liebsten an die Wand geschlagen und schließlich aus dem Fenster geworfen hätten.

Das klingt nicht sehr zivilisiert und als vernünftiger Mensch macht man das natürlich auch nicht. Nur unsere Psyche ist entwicklungsgeschichtlich viel früher entstanden als die Gesetzbücher. Denken wir nur an Abel und Kain, die ältesten Söhne Adams und Evas in der Bibel.

 

In Gen 4,1–24 EU findet sich die biblische Erzählung über Kain und Abel, die ältesten Söhne Adams und Evas. Kain, der Ackerbauer, war neidisch auf seinen Bruder Abel, den Hirten, weil Gott dessen Opfer vorzog. In der Folge kamen ihm böse Gedanken, er hörte nicht auf die Ermahnungen Gottes und erschlug schließlich seinen Bruder. Damit wurde er laut Bibel und Koran zum ersten Mörder. Kain wurde für seine Tat von Gott verstoßen, jedoch als Zeichen für den weiteren Schutz durch Gott mit dem so genannten Kainsmal versehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kain

 

 

Dass es überhaupt zu dem Mord kommen konnte, verdanken wir dem Sündenfall von Adam und Eva. Eva hatte von den verbotenen Früchten des Baums der Erkenntnis gegessen und aus war es mit der Harmonie.

 

Vor diesem Hintergrund passt Ihre "übliche Schlaflosigkeit" ganz gut dazu. Wer nicht schlafen kann, hat noch etwas zu tun. Und da er es nicht tut, also die unerledigte Gestalt (Perls) nicht abschließt, kann er nicht schlafen. Das ist physio-logisch klar.

Frederick S. Perls; Ralph F. Hefferline; Paul Goodman: Gestalttherapie Grundlagen. dtv, 1979, (amerikanische Originalausgabe 1951)

 

 

Die Frage ist daher, was gibt es zu erledigen, warum erledigen Sie es nicht, wann beginnen Sie mit der Erledigung.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

-----Original Message-----

From: ...

Sent: Monday, February 27, 2012 3:10 PM

To: info@maennerberatung.de

Subject: Aw: RE: Traumdeutung

 

Hallo Herr Thiel,

 

vielen Dank für Ihre prompte und sehr interessante Antwort, die mich in einem Punkt fast beruhigt.

Bin vielleicht doch nicht so schlaff, wie ich mich zum Teil empfinde.

 

 

Das Buch werde ich mir auf jeden Fall einmal ansehen.

Vielleicht komme ich als Laie dann besser mit diesem komplexen Thema zurecht.

Zu erledigen hat man als Frau ohne Arbeit natürlich so einiges.

Anderes entwickelt sich zum Glück langsam aber sicher in positive Richtung allein durch Kommunikation.

 

 

Herzliche Grüße!

 

 

 

Hallo Frau Unbekannt,

Vitalität ist ein Potential. Zum Ist-Zustand wird sie, wenn sie benötigt wird oder sich entfalten will.

Wird sie an der Entfaltung gehindert - und da kann es viele private oder gesellschaftliche Gründe geben - dann entsteht Aggression, Ärger und Wut. Dann wird an die Wand geschlagen und aus dem Fenster geworfen, mitunter nur im Traum, manchmal auch in der Realität.

Es kommt also - frei nach Karl Marx - darauf an, die Welt zu verändert, die eigene, die private und die gesellschaftliche.

 

"Der schöpferisch unparteiische Mensch erkennt sein Verlangen ebenso an wie das Objekt, er vollzieht die Aggression, wird durch den Konflikt erregt und wächst durch ihn, ob er gewinnt oder verliert; er ist dem nicht verhaftet, was er verlieren könnte, denn er weiß´, er verändert sich, und identifiziert sich schon mit dem, was er sein wird. Mit dieser Haltung geht ein Gefühl einher, welches das Gegenteil des Sicherheitsbedürfnisses ist, nämlich Zuversicht: Er geht im gegenwärtigen Tun auf und sichert nicht den Hintergrund ab, sondern schöpft aus ihm Energie, er vertraut darauf, dass sie ausreichen werde."

Frederick S. Perls; Ralph F. Hefferline; Paul Goodman: Gestalttherapie

Grundlagen. dtv, 1979, (amerikanische Originalausgabe 1951), S. 145

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 


 

 

-----Original Message-----

From: ...

Sent: Thursday, January 12, 2012 10:59 PM

To: info@maennerberatung.de

Subject: Hass, Wut, Afrika

 

Hallo Herr Thiel, Ihre Seite ist super, Ihr treffsicherer Humor genial...

Ich lebe in einer Beziehung mit einem Afrikaner, seit einigen Jahren, der oft sehr wütend ist. Zum Teil verständlich, zum Teil nicht mehr nachvollziehbar, weil es eigentlich immer dieselben Sachen sind, über die er sich maßlos ärgert. Es ist z.B. die Tatsache, dass das Ausländeramt ihm seit 12 Jahren keine Aufenthaltserlaubnis gibt und er immer eine neue Auflage bekommt, die er/wir erfüllen sollen und auch tun, doch ändert sich nichts daran, kein permanenter Aufenthaltstitel. Ich hab mich damit mittlerweile abgefunden und lache nur noch über deren Spielchen mit uns – sie gehen jetzt auch an mich und unterstellen mir, unser Kind sei nicht das von ihm und wollen einen DNA-Test...

Die Anwälte sind ratlos, wir warten auf ein Wunder. Die Wut geht soweit, dass er bei geringen Ärgernissen lieber Leute schlägt, als die ihm rechtlichen Mittel gegen diese zu benutzen. Er ginge wohl wirklich soweit, jemandem lieber ein Ohr abzubeißen, auf der Stelle, als sich über das Verhalten desjenigen bei seinem Vorgesetzten zu beschweren ... das macht mir Angst. Denn diese Ausbrüche häufen sich dramatisch in letzter Zeit. Auch die Dramatik mit der er sich emotional jedes Mal in diese Situationen reinschmeißt, sind für mich nicht mehr nachvollziehbar. Ich dachte mir durch zureden, beruhigen und so würde sich was ändern im Laufe der Jahre, aber er wird weder gelassener, noch entwickelt er den nötigen Galgenhumor, den man einfach wirklich braucht, wenn die Scheiße über Kragenweite geht, wie dies bei uns seit Jahren und in letzter Zeit oft der Fall ist. Überhaupt scheint er ein Händchen zu haben und Scheiße magisch anzuziehen ... Er leidet auch so gern hat es den Anschein ... Oft hat er den Ärger mit Leuten, weil er versäumt Dinge zu tun, die nötig wären, um größeres Unheil abzuwenden, er schätzt Dinge/Menschen/Situationen nicht recht ein, regelt es lieber auf seine Art, provoziert meistens unbewusst und das heißt erst mal noch mehr Ärger + Chaos --- und dann langsam, langsam kommt wieder was in Ordnung ... und wenn ich aber was sage, bin ich die Böse. Ist das Elend groß, dann bin ich aber recht, um hinter ihm zu stehen und ihm vor allem finanziell zu helfen, ihn aus seiner Höhle zu holen.

Meine Hilfe mildert die Wut nicht mal, sondern ist die gleiche wie auf die Leute vom Ausländeramt, die ihn ja wirklich schikanieren. Wir kommen alle in denselben Topf. Ich schwanke bei seinen Wutanfällen und dem dramatischen Leiden das darauf folgt zwischen Erbe der afrikanischen Kultur, mit dem ich mich wohl abfinden muss oder mich von ihm trennen sollte. In Afrika wird bei Beerdigungen geschrieen vor Trauer und man schmeißt sich auf den Boden vor Kummer und Schmerz, so geht das hier zur Zeit auch ab. Er kann schon fast nicht mehr sprechen vor lauter Heiserkeit, hat kaum mehr Kraft, sein Herz steht wohl kurz vor dem Herzinfarkt. Bei ihm weiß ich ehrlich gesagt nicht wo anfangen. Er ist Workaholic (in seinem ..., sein Leben, seine mögliche Existenz – er hat Sozialhilfe, ich Hartz IV) mit extrem hohem Blutdruck, geht nicht zum Arzt, lernt nur wenn er mit dem Kopf gegen die Mauer rennt und hört auf niemanden, vertraut niemandem ( sagt er selber), hasst Deutschland. Wäre lieber in Afrika, weil er dort im Dorf der König wäre nach seinem Vater.

 

...

Seit Jahren befinden wir uns in dieser Spirale der Gewalt, die auch ich jetzt nicht mehr gelassen händeln kann. Er meinte seit Anfang an der Beziehung, ich hätte keinen Respekt vor ihm ... Ich kann seine Probleme, die er zu meinen macht noch ertragen und z.T. lösen oder verstehen. ...

Er wollte nach einem erneuten Wutanfall neulich nach Afrika für immer, war bereits auf dem Ausländeramt und hat einen Antrag für ein Flugticket angefordert. Ich war mir sicher, dass er geht. Ich weiß nicht mehr, ob ich noch für ihn weiterkämpfen soll, an seiner Seite bleiben soll oder ob es besser ist, mich zu trennen. Ich kann die Gefahr, die von ihm ausgeht nicht einschätzen. Ich weiß nicht, zu was er gerade oder allgemein fähig ist und wie zerstörerisch seine Wut, seine Trauer gegen ihn oder andere geht. Haben Sie einen Rat für mich, wie ich mich verhalten soll?

 

Herzliche Grüße

...

 

 

 

Hallo Frau ...,

Danke für Ihr Lob. Kann ich gut gebrauchen bei all dem Irrsinn, den auch ich im Alltag tagtäglich erlebe.

 

Ich würde Ihnen dringend empfehlen, sich eine persönliche Beratung bei Ihnen vor Ort suchen.

Adressen unter:

www.dajeb.de

 

 

Ihr Mann könnte sicher auch gut Beratung vertragen, aber vermutlich ist er zu stolz dafür. Ein König der in die Beratung geht, wo gibt’s denn so was. Ein König ist der Chef, selbst wenn ihm alle Untertanen längst davongelaufen sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._%28Deutsches_Reich%29

 

 

Aber wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Wenn die Einzelberatung gut anläuft, kann man auch eine gemeinsame Beratung wahrnehmen, um auszuloten, was geht und was nicht.

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

-----Original Message-----

From: ...

Sent: Friday, January 13, 2012 10:48 AM

To: info@maennerberatung.de

Subject: AW: Hass, Wut, Afrika

 

Danke, danke, danke Herr Thiel, ich hab so gelacht mit dem König ohne Untertanen. Der Link über Wilhelm II hat mich geschockt. Das trifft wie die Faust aufs Auge. Wenn der nach Afrika geht, zettelt der todsicher einen Krieg an, denn er wäre dort kein kleiner König... das ist kein Witz!

Ich würde ja am liebsten weiter mit Ihnen chatten, aber Geld hab ich gerade keines, musste dem König ohne Untertanen seine Steuern beim Finanzamt zahlen .... - wieder so ein Fall ... ich könnte Ihnen für Ihre treffsichere Weisheit, die in so geniale Sprüche gepackt ist + historische Links :) - sie arbeiten fast wie Jesus..., dass man sofort die Ursache des Problems erkennt, ...

 

 

 

 

Hallo Frau ...,

...

Will mal hoffen, dass sich bei ihnen mit der Zeit alles gut einpendelt.

Gute Berater sind da manchmal Gold wert.

 

 

Beste Grüße

 

Peter Thiel

 

 

 


 

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Sonntag, 27. Februar 2011 12:22

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Beratungsbedarf

 

Guten Tag,

ich habe im Internet intensiv nach einer Männerberatung gesucht und Sie gefunden. 

Mein Name ist ...., lebe mit meiner Lebenspartnerin und ...im ... 

Einerseits habe ich Identitätsprobleme (Fehlende Selbstsicherheit usw.), andererseits erhebliche Paarprobleme mit meiner Partnerin. Aus verschiedenen Gründen kommt für uns beide keine Trennung in Frage, unsere Partnerschaft kann man aber höchstens als freundschaftlich bezeichnen, da wir seit der Geburt meiner Tochter keinen Sex mehr haben. Eine Paarterapie kommt für meine Partnerin nicht in Frage, sie hat insgesamt drei Anläufe vertan. Ich habe beshlossen, mein Leben im gemeinsamen Miteinanderleben wieder aufzubauen und den psychischen Terror, den ich teilweise ausgesetzt bin, nicht mehr so an mich herankommen zu lassen. Ich glaube, wie mehr ich meine Identität und mein berufliches, freiberufliches Leben erfolgreich gestalten kann, desto besser wird die Beziehung sein. Meine Partnerin möchte nicht selbstreflexiv nach Fehlern suchen. Leider. Aber wie gesagt, eine Beratung in Richtung Trennung kommt nicht in Frage. Nun, können und möchten Sie mir in dieser Sache zur Seite stehen? Ich könnte einen Termin vormittags annehmen. Herzliche Grüße

 

 

Hallo Herr ...,

Beratungstermine biete ich in der Regel für die Zeit von 13 bis 19 Uhr an.

Vormittags 10 bis 12 habe ich Bürozeit.

 

Eine Stunde kostet bei mir .... Ermäßigung ist im Einzelfall möglich.

...

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: 

Gesendet: Montag, 28. Februar 2011 10:23

An: info@maennerberatung.de

Betreff: AW: Beratungsbedarf

 

Viel zu teuer.

sie sollten bitte auf ihrer Homepage kenntlicher machen, dass es sich um ein kommerzielles Angebot handelt. So wie Sie sich auf im Internet präsentieren, muss man von einer "Gemeinnützlichkeit" ausgehen, die es so bei Ihnen nicht gibt. Beratungen der Art kosten einen Zuschuss von insgesamt vielleicht 15 €. Es ist schade, dass es immer mehr Psychologen und Pädagogen gibt, die auf dem Umweg von pseudo-Selbsthifleangeboten ihr Geld verdienen wollen, ohne wirklich alles ordnungsgemäß kennzuzeichnen. guten Tag noch, ...

 

 

 

Hallo Herr ...,

 

preiswerte Angebote finden Sie unter

www.dajeb.de

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Dienstag, 1. März 2011 08:35

An: info@maennerberatung.de

Betreff: AW: Beratungsbedarf

 

Lieber Hr. Thiel,

besser Sie versuchen erst garnicht ihren akkademischen Witz einzubringen. Was bedeutet, preiswerte Angebote finden Sie hier? Sie möchten damit zum Ausdruck bringen, Sie seien qualitiv hochwertig. Die billigen Angebote gibt es beim Diskounter nebenan. Damit beweisen Sie ihre kommerzielle Ausrichtung. Mit akkademischen Finessen kommen Sie da nicht weit. Es sei denn, Sie wollen sich beweisen, ein so schlaus Bübchen zu sein. Noch einmal: Ihre Homepage ist irrefürhend. Ändern Sie die Homepage! Ich habe mich schon wegen weniger ernsthaft geärgert und bin ungemütlich geworden. Mindesestens zwei Verstöße erenne ich, die eine einstweilige Verfügung in Bezug auf Ihre Internetseite machbar machen lassen. Also: verarschen Sie mich nicht, ...

 

 

 

 

Hallo Herr ...,

hört sich für mich wie eine Drohung an, was Sie mir da schreiben.

Irgendwie erinnern Sie mich an die Geschichte mit dem Hammer, die Sie bei Watzlawick "Anleitung zum Unglücklichsein" nachlesen können. Erst nach einem Hammer suchen und dann den Nachbarn anschreien.

Sie schreiben: "Einerseits habe ich Identitätsprobleme (Fehlende Selbstsicherheit usw.), andererseits erhebliche Paarprobleme mit meiner Partnerin."

Das wundert mich freilich nicht, wenn ich mitbekomme, wie Sie mir gegenüber agieren.

Möglicherweise haben Sie aus diesem Grund heraus das Bedürfnis sich mit anderen Leuten anzulegen. Und wundern sich dann, so wie bei Ihrer Frau, über deren Reaktion.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 


 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Sonntag, 26. September 2010 20:35

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Anfrage

 

Sehr geehrter Herr Thiel,

 

schön, dass es eine solche Beratungsmöglichkeit gibt, vielen Dank dafür!

 

Ich habe mich vor ca. vier Monaten in einen sehr dynamischen Mann verliebt, der beruflich äußerst erfolgreich und als Geschäftsmann stadtbekannt ist, jede Menge um die Ohren hat und eigentlich als Workaholic zu bezeichnen ist. Unsere Begegnung glich der Erkenntnis einer Seelenverwandtschaft, himmelhochjauchzend, und er behauptete, endlich im Leben angekommen zu sein und nun seine Erfüllung gefunden zu haben. So verliefen die ersten Wochen mit tausenden von Schmeicheleien und Liebesbekundungen – ich sei ob meiner Wärme, Schönheit, Sensibilität, Intelligenz usw. einfach die Frau, die er über alles lieben würde – überhaupt sei er das erste Mal im Leben verliebt, alle anderen habe er gleich wieder vergessen und seine Frau wohl nur wegen der Kinder oder wegen finanzieller oder materieller Werte geheiratet….

 

Es gab und gibt zwischen uns ein großes Problem: Er hat nie Zeit, allerhöchstens mal auf eine halbe Stunde, in der natürlich keine Nähe entstehen kann (die ihm aber angeblich so wichtig ist), und so ist noch nie ein Intimkontakt zustande gekommen, denn es heißt dann immer: „Schatz, wir müssen aufhören, ich muss los…“ Er ist noch verheiratet, lebt mit seiner Frau und den beiden 14 und 9jährigen Kindern zusammen, hat aber mit ihr angeblich kein Verhältnis mehr, viel Streit und Ärger und ein sog. „Gentlemen Agreement“, habe sie oft betrogen, aber auch aus solchen Begegnungen sei nie Liebe hervorgegangen. Ich allerdings sei ihm äußerst wichtig, er wolle „alles“ von mir, aber erst, wenn er seine vielen Probleme beruflicher und sonstige Art gelöst hätte. Er liebe mich und ich gehöre ihm! An Scheidung denkt er allerdings nicht, da er befürchtet, seine Frau könne ihm die Kinder entwenden ... .

Immer wieder kommt es zu versuchten Verabredungen zwischen uns, denn er leide wahnsinnig unter der Sehnsucht nach mir und vermisse mich immer, aber sie werden meist allesamt abgesagt, verschoben oder einfach vergessen. Wir telefonieren, schreiben sms, und von meiner Seite kommt halt auch Unzufriedenheit mit der Situation und Verärgerung über solches Verhalten. Das wiederum „verletzt“ ihn dann ungewöhnlich hart, dass er für einige Tage Funkstille hält. Bezeichnend ist, dass er meinen „Problemen“ keine Aufmerksamkeit widmet, sie entweder aus Zeitgründen nicht anhört oder sich einfach nicht darum kümmert, obwohl er es zuvor versprochen hat…. Ich könnte da noch einiges hinzufügen, aber das Bild wird dadurch nicht anders. Wenn ich andeute, die Beziehung zu beenden, klingt von der anderen Seite wieder Verärgerung, großes Leid und die Beschuldigung, ich schreibe verletzende sms, weil nicht alles so liefe, wie ich es mir vorstelle….

In der Tat hat er natürlich auch eine andere und sehr liebebedürftige und auch liebevolle Seele und ist von so vielen Eigenschaften her ein ganz toller Mann – darin habe ich mich verliebt. Aber mit solch einem Verhalten möchte ich nicht leben und ziehe mich zurück – auch wenn es mir sehr weh tut.

 

Ich wüsste gerne, ob eine solche Persönlichkeit zu den narzisstisch gestörten Persönlichkeiten gehört, und ob diese auch ein gestörtes Sexualverhalten haben können, beispielsweise, dass sie im Zuge ihrer Neigung zur Sucht (Workerholic, 60 Zigaretten, 30 Tassen Kaffee, seit fünf Jahren zum Glück ohne Alkohol) einfach impotent werden (er ist 47, hatte aber bereits ein ... problem und eine damit im Zusammenhang stehende schwere ...-OP) und ob es für solche Menschen Hoffnung gibt, vorausgesetzt, sie wollen sich helfen lassen. Wie gesagt, im Grunde ist er ein wirklich wertvoller Mensch, hat enorm viel erreicht, gibt wahnsinnig viel Kraft in Beruf und Projekte und bekommt im Grunde nichts heraus – er nimmt auch nichts, allerdings den Ruhm, das Ansehen und das Gebraucht-werden, was ihn dann wieder nervt…

 

Über eine Antwort würde ich mich freuen und bedanke mich im Voraus!

 

Mit freundlichen Grüßen

...

 

 

 

Hallo Frau ... ,

ich würde nicht von "narzisstisch gestörter Persönlichkeit" reden, aber sicher nennt der Mann, in den Sie sich verliebt haben, eine gehörige Portion Narzissmus sein eigen.

Narzissmus ist aber in meiner Wirklichkeitskonstruktion ebenso wenig eine Krankheit wie Phlegmatismus oder Manie, aber zweifelsohne im Einzelfall schwer zu ertragen. Allerdings sind viele Politiker/innen auch schwer zu ertragen, vom Honecker will ich da gar nicht reden, dennoch würde ich nicht meinen, diese wären krank.

 

Aber in ihrer beider Fall scheint mir weniger der Narzissmuss das eigentliche Problem zu sein, das einer guten Beziehung im Wege steht, sondern eher die Angst des von Ihnen geliebten Mannes vor Nähe, und sein Unvermögen mal Pause zu machen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Die Gründe dafür würde man in einer Therapie schnell rausbekommen können, doch damit wäre es nicht getan, es käme vielmehr darauf an, das Verhalten zu ändern.

Doch warum sollte der von Ihnen geliebte Mann das tun? Es ging doch all die Jahre so la la und es kann doch auch so weitergehen, bis eines Tages der Körper kollabiert oder wie es Udo Lindenberg einmal gesungen hat: Bis der Arsch im Sarge liegt.

Männer wie der von Ihnen geliebte, sind mit Sicherheit nur durch schwere Erschütterungen und Katastrophen von Ihrer vorgezeichneten Bahn abzubringen, aber auch das ist nicht garantiert. So gibt es Hyperaktive, die nach einem schweren Unfall mit einem Rennrad querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzen und als nächstes nichts besseres zu tun haben, als an der Paralympics teilzunehmen.

Das Beharren auf der Fortführung alter Lebensmuster ist mitunter schwer autoaggressiv, bis hin zum Tod, wie es Bertolt Brecht halb ärgerlich, halb resignierend in dem Gedicht "Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus" beschrieben hat.

 

 

Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache

Leckte die Flamme. Ich ging hinein und bemerkte

Daß noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür

und rief ihnen zu, daß Feuer im Dach sei, sie also

auffordernd schnell hinauszugehen. Aber die Leute

Schienen nicht eilig. Einer fragte mich

Während ihm schon die Hitze die Braue versengte

Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne,

Ob nicht Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei

Und so noch einiges. Ohne zu antworten,

Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich,

Müssen verbrennen, bevor sie aufhören zu fragen.

Wirklich, Freunde, wem der Boden noch nicht

So heiß ist, daß er ihn lieber mit jedem andern

Vertauschte, als daß er dabliebe,

Dem habe ich nichts zu sagen. ...

 

 

 

Korrekterweise muss man sagen, dass auch Brecht ein Workaholic und Getriebener war, wie er selbstreflektierend eingeräumt hat:

 



Ich sitze am Straßenrand

Der Fahrer wechselt das Rad.

Ich bin nicht gerne, wo ich herkomme.

Ich bin nicht gerne, wo ich hinfahre.

Warum sehe ich den Radwechsel 

Mit Ungeduld? 


Bertolt Brecht

 

 

 

Kein Wunder, dass es Brecht mit 57 Jahren dahingerafft hat, kein Mensch hält ein solches Tempo auf Dauer durch.

 

Was bleibt da noch zu sagen? Vielleicht mit Udo & Jenny Jürgens - Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden 1984

http://www.youtube.com/watch?v=zytpHl7Q5cA

 

 

 

Halten Sie nicht fest, was nicht festzuhalten ist und halten Sie fest, was gehalten werden will.

Oder wie es auch heißt:

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

 

 

Lieber Gruß

 

 

Peter Thiel

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Freitag, 1. Oktober 2010 10:48

An: info@maennerberatung.de

Betreff: AW: Anfrage

 

Sehr geehrter Herr Thiel,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort - das Näheproblem trifft den Kern. Den ersten Zusammenbruch hatte er Anfang des Jahres: Fettleber, Darmstörungen, OP an Magen und Darm... aber er macht weiter - autoaggressiv, 60 Zigaretten, 30 Tassen Kaffee, Tabletten gegen Schmerzen und Sodbrennen.... Eigentlich bedauernswert.

Ihre Gleichnisse tun gut, auch die Haltung, nicht festzuhalten an jemandem, der nicht festgehalten werden will... So bleibt zu ergründen, warum ich glaube, mit Liebe heilen zu können - was sicher geht, aber vor dem Können kommt das Wollen - von beiden Seiten.

Vielen Dank noch einmal und herzliche Grüße

...

 

 

 

Hallo Frau ... ,

 

vor der Liebe kommt oft die Wut oder der Hass. Dies muss man als Gegenüber dann auch aushalten können.

Erst wenn Wut oder Hass sich zeigen dürfen, kann die Liebe in ihrem reinen Gewand erscheinen. Gut möglich, dass dies den Rahmen ihrer Beziehungen sprengen würde. Von daher könnte man auch verstehen, wenn sich Ihr Gegenüber einer solchen existenziellen Begegnung nicht stellen will. Vielleicht auch aus der nicht ganz unbegründeten Angst, dass es dann zu einer nicht mehr zu regulierenden Eskalation der Gefühle käme

 

Von daher, anschauen was ist, verändern, was zu verändern ist und akzeptieren, was sich einer Veränderung hartnäckig widersetzt. Retten müssen Sie niemanden gegen dessen Willen.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von:

Gesendet: Donnerstag, 7. Oktober 2010 19:21

An: info@maennerberatung.de

Betreff: AW: Anfrage

 

Hallo Herr Thiel,

danke, Sie haben ein großes Feingefühl und können zwischen den Zeilen lesen. Nein, retten muss ich niemanden, ich will aber mich retten, falls das nötig ist, da ich nicht die Therapeutin oder die Mutter Courage spielen möchte. Dennoch, der Mann mit seinen Ängsten vor Nähe, mit seinen Verletzlichkeiten und seinen teilweise manischen und teilweise auch depressiven Phasen hat in seinen guten Zeiten genau das, was mich anspricht. So werde ich sehen, wie ich Ihren letzten Abschnitt realisieren kann - immerhin akzeptiert er meine Wut über seine Art oft genug. Wir werden sehen.

Tausend Dank für Ihre Einlassung - es tut sehr gut, und Sie verstehen Ihr Handwerk! Beste Grüße!

...

 

 

 

 

Hallo Frau ... ,

 

Danke für das Kompliment.

 

Beste Grüße

 

Peter Thiel

 

 

 

Am 11.11.2011 um 18:31 schrieb "maennerberatung" <info@maennerberatung.de>:

 

Hallo Frau ...,

sicher hat sich inzwischen schon einiges zum Guten verändert.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

-----Original Message-----

From: ...

Sent: Friday, November 11, 2011 11:49 PM

To: <info@maennerberatung.de>

Subject: Re: Anfrage

 

Hallo Herr Thiel,

Sie müssen ein außergewöhnlicher Mensch sein, dass Sie nach langer Zeit noch einmal eine Nachricht schicken.

Und in der Tat war und ist das Thema vom letzten Jahr auch in diesem Jahr Thema. Ich habe Ihre Ausführungen vom letzten Jahr sehr genossen - Sie haben sich wirklich sehr bemüht, mir, einer Fremden, eine männlich / menschliche Art näher zu bringen, und das Loslassen, was nicht zu halten war, schien mir auch die einzige Möglichkeit.

Ihre Zeilen hatten mich beeindruckt, ja berührt, und jetzt, da ich Sie wieder lese, fällt der Groschen erneut. Wir hatten zu Sommerbeginn ein Revival miteinander, der von mir so geliebte Mann und ich. Doch verlief es genauso -er und es hat sich nicht(s) geändert. Aber auch ich hatte noch einmal die Hoffnung.....doch das Loslassen fällt nun leichter. Die Liebe ist da, auf beiden Seiten, sie ist Energie, die nicht vergeht. Aber das Ertragen fällt schwer - die Nähe, die mir nicht reicht, scheint ihm schon zu viel...

Nun, es ist, wie es ist, scheint miteinander schwierig, ohne einander aber auch - ebenfalls viel besungen und beschrieben. Schaun wir, wie oft vor allem ich das noch brauche, bevor es mir gelingt, mein Muster zu löschen....

Herzlichst

...

 

 

 

Hallo Frau ...,

mitunter ist es mein 7. Sinn, noch mal nachzufragen.

Vielleicht müssen Sie Ihr Muster gar nicht löschen, sondern sich nur damit versöhnen?

 

 

Beste Grüße

 

 

Peter Thiel

 

 

 


 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Donnerstag, 17. Juni 2010 10:01

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Bitte um eine Rückmeldung

 

Liebes Beratungsteam,

kurz zu mir: Ich bin ... und gerade in der Ausbildung zur ... . Ich arbeite für ... . Das ist vielleicht wichtig, um eine Relation in meine Anfrage zu bringen, denn ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich nur einfach zur Zeit übersensibilisiert bin oder ob ich meiner Wahrnehmung vertrauen kann. Und sollte letzteres der Fall sein, was ich jetzt tun sollte. Zu meiner Vorgeschichte, die auch noch eine weitere Einflusskomponente darstellt: Ich war vor 8 Jahren mit einem Mann verheiratet, der mir gegenüber gewalttätig wurde (in abgemilderter Form: Ich habe nie körperliche Verletzungen davon getragen).

Seit ca 6 Monaten habe ich einen neuen Partner. Was mir gleich auffiel war, dass er oft angespannt wirkt. Seine Vorgeschichte passt dazu: Sohn eines Alkoholikers, der bereits vor der Ehe mit seiner Mutter getrunken hat. Die Eltern haben sich erst vor 6 Jahren scheiden lassen. Da war mein Freund 28 Jahre alt. Wenn wir über seine Kindheit sprechen, fehlen ihm Erinnerungen bis ca zum 13. Lebensjahr. Er weiß nur durch spätere Erzählungen seiner Mutter, dass sie nachts, wenn Vater betrunken nach Hause kam, mit einem Gürtel verprügelt wurde. Mutter konnte sich nie trennen. Selbst die letztendliche Trennung ging vom Vater aus, weil er sich eine Jüngere genommen hat. Dabei ist er wohl während der gesamten Ehe fremdgegangen und war zudem auch noch Spielsüchtig.

Mein Freund sagt über sich selbst, dass er nicht besonders aggressiv sei und er habe auch noch nie einer Frau etwas zu leide getan. Letzteres glaube ich ihm auch. Seine einzige lange Beziehung, die auch meine direkte Vorgängerin war, war eine Borderlinerin. Auch da ist er nicht gewalttätig geworden. Aber was mich nun besorgt ist: Seine Angespanntheit, manchmal hat er so einen Blick, bei dem man denkt, der tickt gleich aus (ist auch meiner Freundin aufgefallen), er arbeitet als ... , guckt fast ausschließlich Gewaltfilme und hat da auch die Relation verloren, was ein Gewaltfilm ist. Zitat: "Ich gucke auch Filme ohne Gewalt, z.B. "Herr der Ringe" oder "Pan's Labyrint"" Beide Filme sind nach meiner Einschätzung Filme mit Gewalt. Zudem ist er schnell genervt, auch bei Dingen, die ich sehr nebensächlich einstufe, und er träumt nachts "aggressiv", redet im Schlaf, kann sich aber morgens nicht daran erinnern. Er schimpft im Schlaf z.B. "Scheiß Fotze". Was weiter auffällig ist: Er teilt die Welt sehr strickt nach "Frauen-Ding" und "Männer-Ding", wobei er "Frauen-Dinge" als langweilig abwertet. Andererseits wertet er Frauen in anderen Kontexten auf. Vor 5 Jahren hat er noch regelelmäßig Drogen konsumiert (alles, außer Heroin), ist aber seit 5 Jahren clean.

Im Kontakt zu mir ist er liebevoll (sehr liebend), hilfsbereit, extrem nähebedürftig, zärtlich etc.. Sehr unternehmungslustig. Wir sehen uns fast jeden Tag, hat aber kein Problem, wenn ich mich ohne ihn mit anderen Freunden und Freundinnen verabrede.

Meine Mutter sagte, nachdem sie ihn kennengelernt hat: Sie habe sich erschrocken. Er wirke so aggressiv. (Sie selbst ist Opfer von Gewalt, als sie Kind war) (Meine letzten beiden Beziehungen waren mit Männern die eher sanft und das Gegenteil von aggressiv waren.) Mein Vater sagt: Wenn er mit ihm redet, würde er sich so "aufbauen" und so betont laut und deutlich reden, wie er sich das im Umgang mit den ...  vorstellen würde. Er schließt daraus ein schlechtes Selbstwertgefühl.

Meine Beste Freundin, die ihn kennt und auch mag sagt: Wenn er so "böse" guckt (wie oben beschrieben - ohne Anlasse. Der Blick kippt einfach ab und an) möchte sie ihm nicht nachts auf der anderen Straßenseite begegnen.

Mein Gefühl ist, dass er vielleicht eine PTBS haben könnte. Zudem deckelt er offensichtlich sehr mühevoll seine angestaute Wut und Aggression. Er redet davon, noch in diesem Jahr bei mir einziehen zu wollen.... Nun, das kommt für mich natürlich erstmal nicht in Frage, so lange ich unsicher bin, wie ich ihn und die ganze Sache einschätzen soll. Aber es macht es ein wenig dringlicher herauszufinden....

Muss ich Angst haben, dass "es" irgendwann hochbricht und sich bei mir endlädt? Ich hab ihn schon darauf angesprochen. Er ist überzeugt, dass er immer liebevoll zu mir sein wird. Ich bin skeptisch, denn wenn er sich bei mir sicher und geborgen fühlt, wird sein Unterbewußtest sicher ein paar Erinnerungen freigeben.... Wie soll ich das Risiko einschätzen? Ab wann sollte ich ihm eine Therapie nahelegen? Sofort? Oder erst, wenn etwas aufbricht? Oder sollte, ich vielleicht gleich die Beziehung beenden und mich damit nicht weiter belasten oder in Gefahr bringen? Obwohl ich ja für mich keinen konkreten Anlass habe und ich im Kontakt mit ihm keine Angst habe. Ich fühle mich da schon sicher z.Zt.

Ich möchte Sie um eine Einschätzung bitten. Vielen Dank!

Herzliche Grüße

...

 

 

 

 

Hallo ...,

so wie Sie das vortragen, kann wohl alles passieren. Endlose Liebe oder auch ein gewalttätiger Ausbruch.

Ist so ähnlich als wenn Sie neben dem Ätna ihr Haus gebaut haben.

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84tna

 

Das kann jahrzehntelang ruhig gehen und auf einmal knallt`s.

 

Es wäre natürlich schön, wenn Ihr Freund da ein Gefühl für hätte und in dieser Hinsicht was für sich tun würde. Meist ist leider die Motivation sehr gering. So ist es dann eben wie es ist und Sie müssen sich entscheiden, wo Sie sich niederlassen wollen und wo nicht.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 


 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Samstag, 24. November 2007 20:20

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Bitte um Beratung

 

 

Hallo,

ich habe ein akutes Problem, dass mich extrem belastet, und hoffe bei Ihnen fundierte Unterstützung zu bekommen oder einen Tipp, an wen ich mich am besten wende. Leider komme ich von der anderen Seite der Republik, sonst hätte ich die pers. Beratung gern in Anspruch genommen.

 

Problematik:

Ich bin m., 48 Jahre, seit 18 Jahren vh.und kenne meine Frau seit 20 Jahren.

Ich habe akut massive Probleme mit meinem 24 jährigen Stiefsohn (war beim Kennenlernen 7J.), der alle 2 Wochenenden aus seiner 100 Km entfernten Studenten-WG (samt Freundin) (Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend) nach Haus kommt, sich von vorn bis hinten bedienen lässt, Wäsche zum Waschen mitbringt "für" meine Frau z.T. manchmal auch von der Freundin. Mein Frau könnte man als "Mutter der Nation" bezeichnen, ich möchte nicht ihr Sohn sein;), sie macht das alles mit. Ich sehe wie er sich nur die Rosinen rauspickt und alle Rechte eines Kindes und natürlich die eines Erwachsenen beansprucht. Damit ist ein Kind unerziehbar und ein Erwachsener in diesem Kreise eine Zumutung für mich als Vater. Seit Jahren bitte ich darum (und deswegen hat es immer wieder heftig Streit gegeben), dass er die Besuche insbes. mit seiner Freundin auf ein Minimum reduziert. Das funktioniert ein paar Wochen, länger nicht. Er begegnet uns mit der Art eines eleganten Akademiker, der 24-jährige Mann von Welt, der es wert ist, dass wir als Eltern alles für ihn tun. 

Ich sehe massive Probleme nicht nur auf mich sondern auch auf ihn zukommen und bin dabei Grenzen zu setzen, die oft gleich schon bei der ersten Gelegenheit von ihm ganz oder zumindest teilweise überschritten werden, als ob er die Pubertät gar nicht erlebt hätte. Ich sehe darin ein Provokation und ein Machtspiel. Solange wir funktionieren, läuft alles glatt. Wehe ich setzte der Lust Grenzen, dann holt er Mama ganz geschickt und subtil zur Hilfe. Er weiss, dass er seine Mutter auf seiner Seite hat, das macht die Sache sehr fies und ich er hofft darauf, dass ich erpressbar bin und meine Forderungen schleifen lasse. Wir korrespondieren z.Z. nur per Email. Mein Grundtenor war ihn auf die unumgängliche endgültige Abnablung von den Eltern und umgekehrt hinzuweisen, dass die Jungen nun endlich flügge werden müssen und die Alten noch ein paar schöne Jahre haben möchten und dass es für seine Mutter (Auszug d. Sohnes) ein Tabuthema ist und habe daher (in fälschlicher Annahme unter "klar denkenden" Menschen) um seine Kooperation ersucht, wenn auch mit dem nötigen Nachdruck. Habe ihm Grenzen gesetzt und Regeln aufgestellt. Frühstück bis 10,30 Uhr gemeinsames Mittagessen und kein Kochen nach 20 Uhr, Wäsche wird in der WG gewaschen und gebügelt, ich kaufe ein, meine Frau macht da  Haus sauber, mein Sohn und seine Freundin kochen am Samstag, eigenes Bad und Zimmer im Untergeschoss werden vor Abreise am Sa. geputzt (meine Frau hat schon unsere Putzhilfe gegen meinen Willen 2x dort sauber machen lassen).

Ich empfinde die Besuche inzwischen als rücksichtslos und demütigend. Ich komme heute morgen nach 10,30Uhr in die Küche, da sitzt dann die Freundin auf meinem Platz und kriegt kaum die Zähne auseinander für ein "guten Tag", mampft aber meine Brötchen. Erste Grenzüberschreitung. Heute Abend, Badezimmer UG: ich muss an die Kühltruhe im Raum dahinter, muss mehrfach klopfen, dann wird geöffnet mit angespannter Miene. Ich sehe wie dort massig Wäsche gewaschen wurde also gegen meinen Wunsch, doch mit zu uns nach Haus gebraucht wurde. Tür war abgeschlossen, und Baden vorgetäuscht, damit ich sehe was läuft. Pech gehabt. 2. Grenzüberschreitung.

 Diese Regeln habe ich gestern morgen festgesetzt. Ich sehe, dass ich im eigenen Haus nicht ernst genommen werde. Mein Frau sagte gestern: "Wenn du ihn rausmobbst, dann trenne ich mich von dir! Dann wird das Haus verkauft, ich nehme mir eine Wohnung, zack zack erledigt!", Ich habe seit dem letzten Jahr im Frühjahr MS und etwas wacklig auf den Beinen und ich schleppe die Wasserkästen, nicht mein Sohn, der immer erst fragt, ob er helfen kann wenn schon die Arbeit getan ist. Ich habe die Krankheit wohl weil ich den Zirkus nicht mehr länger ertragen konnte; mein Körper und mein Geist sind zusammengebrochen. Diese jahrelangen Wechselbäder der Gefühle haben mich kaputt gemacht. "Leider" liebe ich meine Frau... Meine Frau hat Fortbildungen gemacht ... aber ich bin derjenige der seit Jahren Bücher über Paartherapie und Familienproblematiken liest, sie hat "nie Zeit" oder weiss angeblich schon was drinsteht... Bloß nichts verändern. 

Ich bin kein einfacher Mensch, arbeite aber mit Offenheit und will und fordere seit mind. 10 Jahren Veränderung und Weiterentwicklung, meine Frau und mein Sohn wollen heile Welt und alles so eingefahren lassen wie es ist. Ich fühle mich wie in einem Sumpf. Wo sehen Sie mich? Muss man als Stiefvater das alles hinnehmen? Ist das "normal"? Habe ich keine Rechte darauf als Vater -in meinem eigenen Haus- zu bestimmen? Ist es nicht längst a.d. Zeit, dass er auszieht? Wie komme ich aus der Misere heraus?

 

 

Vielen Dank vorab und freundliche Grüße

...

 

 

 

 

----- Original Message -----

From: Männerberatung

To: ...

Sent: Saturday, November 24, 2007 11:43 PM

Subject: AW: Bitte um Beratung

 

Hallo Herr ... ,

das ist ja ein klassischer Fall für eine familientherapeutische Intervention. Wenn Sie mögen telefonieren wir mal, bzw. ich gebe ihnen per Mail schon mal eine erste Meinung zu Ihrer Schilderung.

...

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Sonntag, 25. November 2007 10:56

An: Männerberatung

Betreff: Re: Bitte um Beratung (eilt)

ch

 

 

Hallo Herr Thiel,

 

ich bitte um Ihre erste Einschätzung per Email, auch schon deswegen, weil ich meiner Frau (und notfalls meinem Sohn) etwas schwarz auf weiss vorlegen möchte, was nicht von mir - sondern von jemandem stammt, unbeteiligt und kompetent ist. Ich befürchte, dass sie mir sonst nicht glauben will.

Mein guter Wille wird leider seit Jahren immer angezweifelt.

 

Für eine rasche Antw. wäre ich Ihnen dankbar, da ich hier handeln muß, bevor meine Frau vor diesen Problemen wegläuft / oder vor mir, da mir jetzt die Rolle des bösen verräterischen Vaters zugespielt wird, der das Kind aus dem Haus jagen will und dem es sich zu entledigen gilt. So wäre sie auch für mich nicht mehr erreichbar, und das wäre für mich fatal. Heute morgen wollte sie schon alleine frühstücken. Wir haben die Situation wie vor 3 Wochen, tagelange Nicht-Kommunikation, immer dann, wenn gerade unser Sohn mit seiner Freundin das Wochenende hier verbracht hat.

 

Ich soll der Buhmann sein, aber ich bin der einzige hier, der diese Probleme angehen will und ernst nimmt. Dabei stoße ich bei praktizierter Offenheit immerzu auf eine Mauer des Schweigens oder der Ablehnung. Ferner wird mir immerzu mitgeteilt, ich solle Therapie machen. Außer mir kann hier niemand wirklich auf Erfahrungen und Wirkungen durch Therapie zurückgreifen.

 

Ich möchte noch zur Situation ergänzen, da ich dies für wichtig halten:

 

Mein Sohn hat ein offenbar ein gestörtes Verhältnis zu Autoritäten, bzw. Personen, die ihm deutlich machen, dass er in der Rangordnung nicht ganz oben sondern darunter liegt, vermutlich weil er in den ersten Lebensjahren "den Mann" an der Seite meiner Frau spielen mußte - weil der Vater nichts von beiden wissen wollte. In der Vergangenheit war es schon so mit dem Bruder meiner Frau und ihrer Mutter.

Das hat sich bei meiner Frau wiederholt. Mein Sohn spielt mehr unheimlich erwachsen, geht schon "zum Lachen in den Keller", vermutlich weil immer ernst erwachsener wirkt. (Meine Frau lebt eher so, dass die Nachbarschaft nicht redet und alles den Leuten recht gemacht ist. Ich bin hingegen nur an der Wahrheit interessiert, da mir das Lügen schon durch meine Eltern zum Halse heraus hängt.)

Das mit dem Problem sich unterzuordnen oder des nicht genügen ist mir heute Nacht aufgegangen.

Offenbar mißt er die ganze Welt an der Liebe seiner Mutter.

 

Beispiele:

...

 

Ich könnte noch weitere Beispiele folgen lassen, aber das führt hier zu weit.

 

Wenn er also nicht immer das bekommt, was äusserst möglich ist, fühlt er sich persönlich beleidigt oder nicht genug gewürdigt. Dieses Gefühl ist ihm wohl durch seine Mutter vermittelt worden, die in einigen Belangen die Wichtigkeit ihres Sohnes oft sehr stark übertrieben in den Mittelpunkt des Geschehens gesetzt hat, ohne zu sehen, wo sie selbst und andere bleiben. Wenn ich mit der Verwandtschaft oder mit Bekannten von einigen solcher Dinge erzählt habe, die bei uns abgelaufen sind, war meist Kopfschütteln die Reaktion. Die guten Eigenschaften meines Stiefsohnes haben seine Defizite immer wieder überspielen können, weshalb man den Eindruck hatte, es sei kein Handlungsbedarf angezeigt. Gleiches gilt für meine Frau.

 

Jetzt wo ich sehe, dass sein "blinder Narzissmus??" soweit geht, dass ich um Frau, Haus und Gesundheit bangen muß, ist für mich das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich muss nicht zulassen, dass länger auf meinen Gefühlen herumgetrampelt wird und er die von mir aufgestellten Regeln immer wieder (offenbar absichtlich) mißachtet.

 

Jetzt wo ich Grenzen setze, fällt mir auch noch meine Frau in den Rücken, um nicht an alten, eingefahrenen Strukturen rütteln zu müssen.

 

Ich weiss: wenn ich nicht reagiere bin ich hier in dieser Familie verloren und tot. Mit einer MS kann man so etwas nur überleben, wenn man nicht nur mit dem Kopf an der Oberfläche bleibt.

 

Um eine Reaktion mit geringsten Flurschaden wählen zu können, bin ich aber auf fachliche Hilfe angewiesen.

 

Wenn es möglich ist, sagen Sie mir bitte auch, wie ich mich in dieser akuten Situation jetzt am besten verhalten kann, um allen so gerecht wie möglich zu werden, meine Interessen aber dabei nicht aus den Augen zu verlieren und zu behaupten.

 

Welche Macht könnte es sein, die es meinem Sohn ermöglicht, seine Mutter so fest in der Hand zu haben und manipulierbar zu machen? Ist es die Angst, dass herauskommt, dass ich das ganze Spiel durchschaut habe und so beide so fest zueinander stehen lässt? Oder was könnte es sein?

 

Mich würde auch interessieren, ob das, was ich von einem 24 Jährigen intelligenten Menschen fordere, erwarten kann.

 

Ich habe Angst davor, wenn ich noch ein paar mal diese Wechselbäder erlebe, und ich unkontrolliert und in tiefer Trauer bin, dass ich Selbstmord begehe. Das hier ist eine Situation zum Amok laufen und muss schnell aufhören bevor ein Unglück passiert, mit dem niemandem gedient ist. Ich eiere am Rande meiner Belastbarkeitsgrenze hin und her...

 

Gruß

...

 

 

 

 

 

Hallo Herr ... ,

 

Meine subjektive Meinung:

 

Im wesentlichen geht es hier gar nicht um den halbstarken verzogenen Sohn Ihrer Frau, sondern um Sie und Ihre Frau und ihrer beider gemeinsamer Interaktion.

 

Sie schreiben: Ich soll der Buhmann sein, aber ich bin der einzige hier, der diese Probleme angehen will und ernst nimmt.

 

Sie sind wohl deshalb "der einzige hier, der diese Probleme angehen will", weil Sie der einzige sind, der an dem Verhalten des volljährigen Sohnes Ihrer Frau Anstoß nimmt. Ihre Frau ist in ihren Sohn verliebt und bläst ihm Zucker in den Po. Der Sohn (Muttersohn) lässt sich das gefallen, ihm geht es wie Gott in Frankreich, wenn nur der böse Stiefvater nicht wäre, der ihm dieses Glück nicht gönnt.

 

Sie schreiben: Offenbar misst er die ganze Welt an der Liebe seiner Mutter.

Ich würde eher von Affenliebe sprechen. Über diese Liebe zu ihrem Sohn vergisst Ihre Frau offenbar den Mann an ihrer Seite. Ganz systemisch protegiert sie ihren Sohn, während sie gleichzeitig Ihren Mann depotenziert. Das Ihnen da der Kragen platzt kann ich gut verstehen. Ihr richtiger Ansprechpartner ist aber nicht der rotznäsige Sohn, der sich von seiner Mutter gerne benutzen lässt, sondern Ihre Frau. Hier gilt es die Auseinandersetzung zu führen. Will Ihre Frau mit ihrem Sohn "verheiratet" sein oder mit Ihnen?

Wenn Sie eine Beziehung mit Ihnen will, muss sie den Sohn in die Schranken weisen. Tut sie das nicht, dann hat sie sich gegen Sie entschieden und Sie könnten sich fragen, ob Sie als eine Art Hausdiener trotzdem mit Ihrer Frau zusammenbleiben wollen oder besser nicht.

Aber in dem Sie sich von Ihrer Frau abhängig machen, gegen Sie Ihrer Frau gleichzeitig die Macht, so weiterzumachen wie bisher.

 

Sie schreiben: Jetzt wo ich sehe, dass sein "blinder Narzissmus??" soweit geht, dass ich um Frau, Haus und Gesundheit bangen muß, ist für mich das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich muss nicht zulassen, dass länger auf meinen Gefühlen herumgetrampelt wird und er die von mir aufgestellten Regeln immer wieder (offenbar absichtlich) mißachtet.

 

Natürlich müssen Sie das zulassen, wollen Sie nicht die Gunst Ihrer Frau verlieren. Der Sohn handelt mit stillschweigenden Einverständnis seiner Mutter. Er ist sogar ihre Agentin für die Aggressionen Ihrer Frau, die Ihnen gelten, die aber Ihre Frau sich nicht traut, direkt auszudrücken. Daher benutzt sie ihren Sohn als willige Speerspitze gegen ihren Mann.

 

Sie schreiben: Jetzt wo ich Grenzen setze, fällt mir auch noch meine Frau in den Rücken, um nicht an alten, eingefahrenen Strukturen rütteln zu müssen.

Richtig, Ihre Frau will offenbar nichts verändern, sonst würde sie sich mit Ihnen zusammensetzen und nach neuen und besseren Wegen suchen. Gegebenenfalls auch mit Unterstützung eines guten Paartherapeuten.

 

Allerdings brauchen Sie für Veränderungen auch nicht auf Ihre Frau warten, sondern Sie können sich selbst und allein auf den Weg machen, was Sie ja mit Ihrer Anfrage auch gezeigt haben. Auch angesichts Ihrer Erkrankung Multiple Sklerose (MS), würde ich Ihnen empfehlen, sich auf den Weg zu machen. Vielleicht, dass Sie eine Einzeltherapie oder eine Gruppentherapie beginnen, empfehlenswert wäre hier ein guter Körperpsychotherapeut, den es vielleicht auch in Ihrer Region gibt.

 

Sie schreiben: Wenn es möglich ist, sagen Sie mir bitte auch, wie ich mich in dieser akuten Situation jetzt am besten verhalten kann, um allen so gerecht wie möglich zu werden, meine Interessen aber dabei nicht aus den Augen zu verlieren und zu behaupten.

Sie müssen überhaupt niemanden gerecht werden. Um dass zu lernen, böte sich - wie schon gesagt - eine Kontaktaufnahme mit einem guten Therapeuten vor Ort an. Warten Sie nicht so lange, bis eine fortschreitende Erkrankung, sie so lähmt, dass Sie dann tatsächlich nicht mehr gehen können.

 

Sie schreiben: Welche Macht könnte es sein, die es meinem Sohn ermöglicht, seine Mutter so fest in der Hand zu haben und manipulierbar zu machen? Ist es die Angst, dass herauskommt, dass ich das ganze Spiel durchschaut habe und so beide so fest zueinander stehen lässt? Oder was könnte es sein?

 

Der Schlüssel und damit die Macht liegt bei Ihnen, wenn Sie es nur sehen könnten. In dem Moment in dem Sie das erkennen, löst sich Ihre Illusion auf, Sie müssten einen Kampf gegen den Sohn Ihrer Frau führen.

 

Sie schreiben: Mich würde auch interessieren, ob das, was ich von einem 24 Jährigen intelligenten Menschen fordere, erwarten kann.

Selbstverständlich können Sie von einem 23-jährigen intelligenter Menschen etwas fordern, wenn er bei Ihnen im Haus zu Gast ist. So lange Sie und Ihre Frau sich aber noch im Machtkampf befinden, wird Ihre Frau Ihre Forderung aber sabotieren und der Sohn wird sich von seiner Mutter eingeladen fühlen, der bessere Mann an ihrer Seite zu sein.

 

Sie schreiben: Ich habe Angst davor, wenn ich noch ein paar mal diese Wechselbäder erlebe, und ich unkontrolliert und in tiefer Trauer bin, dass ich Selbstmord begehe. Das hier ist eine Situation zum Amok laufen und muss schnell aufhören bevor ein Unglück passiert, mit dem niemandem gedient ist. Ich eiere am Rande meiner Belastbarkeitsgrenze hin und her...

 

Es gibt Menschen, die begehen Selbstmord, wozu ich auch Amokläufer zähle, weil sie so viel Angst vor dem Leben haben, wobei der Amokläufer noch andere Menschen mit ins Unglück zieht, während es der gewöhnliche Selbstmörder dankenswerter Weise dabei beläst, seine ahnungslos nach Hause kommenden Familienmitglieder mit dem Anblick ihres Leichnams zu erschrecken, bzw. für Verspätungen bei der Deutschen Bahn sorgen. Dafür hätten die Selbstmörder einen Tritt in den Hintern und die Pflicht zum Schadensersatz verdient, nur leider sind sie dann meist schon tot und die überlebenden Suizidalen werden im Krankenhaus auf Kosten der Steuer- und Krankenkassenbeitragszahler wieder recht und schlecht zusammengeflickt. Wenigstens diese Rache gelingt dem Suizidalen in unserer von unbewussten Schuldgefühlen gesteuerten Gesellschaft.

 

 

Wenn Sie mögen, rufen Sie mich in den nächsten Tagen an. 

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 


 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Donnerstag, 17. Mai 2007 16:28

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Verbale Gewalt in meiner Beziehung

 

Hallo,

nachdem ich eine heftige Attacke meiner Partnerin gerade hinter mir habe, habe ich, mit dem festen Willen, etwas zu verändern, im Internet recherchiert und bin auf die Informationen Ihrer Website gestoßen. Meine Situation lässt sich kurz zusammengefasst so umschreiben:

Ich bin seit 6 Jahren in einer glücklichen Partnerschaft, die zwar selten aber in regelmäßigen Abständen plötzlich überschattet wird durch extreme Verbalattacken meiner Partnerin. Diese Attacken sind für mich ebenso überraschend wie unerträglich, da es als Reaktion darauf kein “Richtig” oder “Falsch” gibt. Sie sehen so aus, dass meine Partnerin schreit wie ich noch nie zuvor einen Menschen habe schreien hören, mich als “Arschloch” etc. anbrüllt und gelegentlich auch zuschlägt – allerdings mit der Hand auf den Körper, nie ins Gesicht. Das Ganze dauert dann mehrere Stunden und meist kommt es bei mäßiger Gegenwehr von mir (“So lasse ich nicht mit mir umgehen”) zu weiteren Eskalationen. Die Anlässe sind aus meiner Sicht absolut nichtig bzw. eigentlich nicht vorhanden, Kleinigkeiten eben. In 95 Prozent unserer gemeinsamen Zeit führen ähnliche Kleinigkeiten zu gar nichts. Das Schlimme für mich daran ist die Tatsache, dass sie mir keine Möglichkeit einer für mich angemessenen Reaktion lässt (das Haus verlassen, mich zurückziehen etc.), sondern es immer so ist, dass die Eskalation eingefordert wird.

Ich bin 40 Jahre, habe Informatik und Soziologie studiert, bin Geschäftsführer ...  systemischer Berater und Coach.

Wenn Sie für mich einen Tipp haben, in welche Richtung ich (therapeutisch) gehen kann, freue ich mich. Natürlich wäre es gut, mit meiner Partnerin gemeinsam in eine (systemische) Therapie zu gehen, aber das lehnt sie ab. Sie sieht denke ich das Ganze auch nicht als Problem von uns, sondern ist sich meinem Leidensdruck nicht bewusst.

...

Beste Grüße

...

 

 

 

 

 

Hallo ... ,

 

da Ihre Partnerin vielleicht nichts ändern will oder keinen Veränderungsbedarf sieht, könnten Sie etwas ändern. Das könnte heißen, dass Sie auf einen verbalen und körperlichen Angriff durch Ihre Partnerin nicht weglaufen oder sich zurück ziehen, sondern dass Sie so reagieren, dass Sie die Angriffe Ihrer Partnerin gut abwehren und gut parieren, ohne Ihre Partnerin dabei physisch zu verletzen.

Stellen Sie sich vor, Ihre Partnerin braucht die gelegentlichen Angriffe auf Sie, um sich wohl zu fühlen. Sie fordert ja die Eskalation ein, wie Sie schreiben. Warum sollten Sie ihr das verwehren, wenn Sie Ihre Partnerin mögen. Wenn Sie sich zurückziehen, fühlt sich Ihre Partnerin an ihr altes Muster erinnert. Ein Muster, in dem sich ein ehemals wichtiger Mensch - vielleicht ihre Mutter oder ihr Vater - von ihr zurückgezogen hat, wenn es darauf angekommen hätte, der wütenden Tochter standzuhalten.

Schenken Sie Ihrer Partnerin einen Mann, der sich zu wehren und zu verteidigen weiß und der ihr Paroli bietet, ohne sie physisch zu verletzen.

 

Ich empfehle Ihnen einige Stunden Training bei einem kompetenten Therapeuten zu nehmen, der mit Ihnen Angriff und Verteidigung übt. Das kann auch ein guter Kampfsportlehrer oder ein körperpsychotherapeutisch arbeitender Therapeut sein.

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Mittwoch, 16. Mai 2007 12:47

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Frage zur eingeschränkten Gewaltbereitschaft

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Problem ist, daß ich rein physisch sehr wohl in der Lage wäre, Gewalt auszuüben - sogar Kampfsport-Erfahrung habe.

In der Realität stellt es sich aber so dar, daß selbst bei überdeutlichen Provokationen/ Konfrontationen die Angst über die Aggression siegt.

Dies zeigt sich dann in einer Art Erstarrung, in Folge dessen keine Handlungsfähigkeit mehr besteht.

Dabei ist es fast egal, wer der Aggressor ist, wie er/ sie aussieht oder stark ist.

Das möchte ich sehr gerne ändern - womit?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Liebe Grüße,

...

 

 

 

 

 

Hallo ...,

Sie deuten zwei Handlungsmuster an, Aggression und Angst (Erstarrung). In bestimmten Situationen, die Sie als konfrontativ erleben, gehen Sie in die Erstarrung und werden handlungsunfähig, anstatt Ihr aggressives Potential zu entfalten und Wirkung zu erzielen. 

Wenn Sie Ihr Muster des in die Erstattung gehen nachhaltig verändern wollen, sollten Sie ein neues Muster ausprobieren und das heißt, den Kampf aufnehmen und den Kampf führen. Das können Sie trainieren. Wenn Sie mögen, suchen Sie sich dafür einen guten Trainer, der Ihnen entsprechende Trainingssituationen anbieten kann. Das kann ein guter Kampfsportlehrer sein oder auch ein guter Therapeut. Auch die Teilnahme an einer angeleiteten Männergruppe kann eine gute Möglichkeit eines solchen Trainings bieten.

Suchen Sie aber um Gottes willen keinen Psychoanalytiker auf, wenn Sie etwas verändern wollen, denn dort liegen sie immer nur apathisch auf der Couch und kommen keinen Schritt weiter.

Suchen Sie sich nach Möglichkeit Ihre Trainingspartner nicht auf der Straße, denn zum einen kann Ihre Wahl da auf jemanden fallen, der sich nicht für eine Konfrontation mit Ihnen interessiert, und zum anderen kann es sein, dass Sie sich jemanden aussuchen, der Ihnen weit überlegen ist, dann hätten Sie ein Misserfolgserlebnis, das Ihr Muster nur verstärken würde.

Gruß Peter Thiel

 

 


 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ... 

Gesendet: Freitag, 20. Januar 2006 22:56

An: info@maennerberatung.de

Betreff: (Kein Thema)

 

Ich will dir mal eins sagen alle fragen die man dir stellt werden nie klar beantwortet warum????????

ich weiß glaub ich warum weil sie keine AHNUNG haben ???????????

so ein schwachsinn

 

 

 

Hallo ...,

 

wenn Sie die Antwort schon wissen, brauchen Sie uns doch nicht zu fragen und können Ihre wertvolle Zeit für besseres verwenden.

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 


 

 

 

Traum

Neulich hatte ich einen total verrückten Traum. Ich war mit mehreren mir fremden Leuten auf einem Schiff. Ich denke, es war der Maschinenraum, in dem ich mich befand, denn es war beengend und ziemlich verrostet und dreckig. Ein Mann (der Mörder) hat die Leute und mich durch den Maschinenraum gejagt. Jedesmal wenn er jemanden gekriegt und getötet hat, fing der Traum wieder an der Stelle an, wo wir am Anfang in einem Kreis standen, etwas besprachen und der Mörder auf einmal sein Messer zückte. Irgendwann war auch ich dran. Als er mich etwa zum 2. mal erwischt hatte, wachte ich, statt wieder am Anfang des Traumes zu sein, auf. Bitte auf Antwort.

Kati

 

 

 

Hallo Kati,

ich weiß nicht, ob Sie ein Mann oder eine Frau sind, aber das ist ja vielleicht auch egal, denn so unterschiedlich sind Frauen und Männer ja nun auch wieder nicht.

Ihr Traum ist recht kurz und knapp und eigentlich ganz klar. Der Mörder sind wahrscheinlich Sie selbst, besser gesagt, die "mörderischen" Anteile in Ihnen. Sie jagen nicht nur die anderen Leute, sondern auch sich selbst. Die Frage ist, warum wollen Sie den anderen Leuten und sich selbst etwas antun?

Sie befinden sich auf einem Schiff. Ein Schiff kann man nicht einfach so verlassen, so wie es uns oft im Leben geht, wir können nicht einfach aussteigen, aus der Familie, der Partnerschaft, dem Job. Wir müssen, ob wir wollen oder nicht erst einmal da bleiben. Und da wir unsere Konflikte nicht offen dort austragen wo wir gerade sind, müssen wir uns halt im "Maschinenraum" im "Unbewußten" wiedersehen, da ganz unten im Bauch des Schiffes, wo man nur über schmale Eisenleitern hinkommt und der Kapitän weit weg ist. Und nun beginnt ein "fröhliches" Gemetzel, nur dumm, dass man auch selbst sein eigenes Opfer ist.

Meine Hausaufgabe für Sie: Träumen Sie Ihren Traum weiter und schaun Sie sich mal genau an, wer sich da so alles im Maschinenraum trifft, wie die aussehen, was die anhaben und was überhaupt noch so im Maschinenraum zu sehen ist, auf das Sie bisher noch gar nicht geachtet haben, weil Sie die ganze Zeit damit beschäftigt waren, sich selbst und die anderen zu jagen.

 

Gruß Peter Thiel, 30.04.2003

 

 

 

P.S. Hier noch ein Gedicht zum Thema

 

Seeräuberjenny

Lied eines kleinen Abwaschmädchens in einer Vier-Penny-Kneipe, genant "Jenny, die Seeräuberbraut".

Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen

Ich mache das Bett für jeden.

Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell

Und sehen Sie meine Lumpen und dies lumpige Hotel

Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.

Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen

Und man fragt: Was lächelt die dabei?

Und ein Schiff mit acht Segeln

Und mit fünfzig Kanonen

Wird liegen am Kai.

 

Meine Herren, da wird wohl Ihr Lächeln aufhören

Denn die Mauern werden fallen hin

Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich

Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von jedem Streich

Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?

Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein

Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?

Und man wird mich sehen treten aus der Tür gen Morgen

Und man sagt: Die hat darin gewohnt?

Und das Schiff mit acht Segeln

Und mit fünfzig Kanonen

Wird beflaggen den Mast

 

Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land

Und werden in den Schatten treten

Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür

Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir

Und fragen: Welchen sollen wir töten?

Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen

Wenn man fragt, wer wohl sterben muß.

 

Und dann werden Sie mich sagen hören. Alle!

Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

Und das Schiff mit acht Segeln

Und mit fünfzig Kanonen

Wird entschwinden mit mir.

 

Kurt Weill / Bertolt Brecht

aus: Dreigroschenoper

 

 

 


 

 

 

Literatur

 

Benecke, Mark: "`Schlachtungs`- Handlungen in sadomasochistischem Umfeld", In: "Kriminalistik", 5/2004, S. 322-324

Dethlefsen, Thorwald; Dahlke, Rüdiger: "Krankheit als Weg", Goldmann Verlag 1990, S. 296

Perls, Goodman, Hefferline:  Gestalttherapie Grundlagen. dtv, 1979, S. 134

Reich, Wilhelm: Die Funktion des Orgasmus. Sexualökonomische Grundprobleme der biologischen Energie", Kiepenheuer & Witsch, 7. Aufl. 2000, S. 120, 1942, 1948, 1961 Orgone Institute Press, Inc.

 

 

 

 

 

 


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