Masochismus

 

 

 

 

 

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Peter Thiel - Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF

11.07.2018

 

 

 

 

 

Schlüsselwörter:  

Abhängigkeit, Beziehungsabhängigkeit, Co-Abhängigkeit, Masochismus, Sadismus, Sadomasochismus, Verlustangst

 

 

 

 

 

 

 

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-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Mittwoch, 11. Juli 2018 20:02
An: info@maennerberatung.de
Betreff: Zusammenleben mit einem ängstlichen Masochisten

Sehr geehrter Herr Thiel,

seid circa 8 Jahren lebe ich mit meinem jetzigen Mann zusammen und wir haben Kinder. Ich habe an dieser Beziehung fast von Anfang an gezweifelt, aber offenbar auch dran geglaubt, denn wir haben uns etwas zusammen aufgebaut (mehr ich als er), offenbar gibt es also Gemeinsamkeiten. Mich halten auch finanzielle Zwänge in der Ehe - was mir ganz und gar nicht gefällt, aber so ist es. Ich habe mit den Jahren immer mehr das Gefühl, das er mich krank macht, absichtlich und bewusst.
Ja, ich würde gehen, wenn ich das Geld hätte, weil er mich krank macht, aber ich weiß auch, das ich nie ganz gehen würde; wir sind Freunde.
Manchmal fühle ich Liebe, aber meistens bin ich viel zu frustriert.
Vielleicht können Sie mir auf Basis dieser Gegebenheiten einen Rat geben.

Er sagt von sich selber, das er Angst hat, und sonst sagt er meist nicht viel. Seine "Kommunikation" mit mir beschränkt sich in schlechten Zeiten darauf, dass er versucht, meine Gedanken zu lesen und mich unterwürfig zu bedienen, was ich hasse. Er kommt mir vor wie tot, ich habe niemals in meinem Leben so einen passiven und braven Menschen erlebt, er ist so masochistisch. Ich habe immer das Gefühl, das er alles, wirklich alles falsch macht, vermutlich wegen der Gründen, aus denen heraus er handelt.
Er ist massiv leidend-narzisstisch und versteht nach 10 Jahren mit mir immernoch nicht, dass er zugleich extrem aggressiv und eiskalt mir gegenüber ist. Er entzieht sich der Kommunikation fast immer. Er gefällt sich als Opfer, streitet es aber ab, und argumentiert dann pseudefeministisch. Er trägt auch gerne rosa, T-Shirts mit Kinderzeichnungen, hat eine extrem schlechte Haltung, eine ganz kaputte Beziehung zu seinem Körper, ist Astmathiker und impotent. Er ist innerlich und äußerlich chaotisch und hemmt mich in meinem Leben und in meiner Entwicklung, indem er erzwingt, das ich mich mit ihm beschäftige.
Ich bin seid einigen Jahren quasi einkommenslos, und ohne ihm die Schuld dafür zu geben, werde ich das Gefühl nicht los, das es ganz viel mit ihm zu tun hat. Er hat eine sehr dominante, ängstliche, aggresiv-weinerliche Mutter und einen sehr kindischen, unreifen Vater. Und vor allem hat er extreme Angst vor MIR. Bzw seiner Mutter.

Seid wir uns kennen, ist er immer mal wieder "irgendwie" in Therapie - meistens auf Wartelisten oder bei Analytikern, die in Urlaub sind und nur eine Wochenstunde Zeit für ihn haben. Er war mal zwei Jahre in einer Männergruppe, und nach allem was ich mitbekommen habe, hat er dort nur mit seinem intellektuellen Wissen rumgeprahlt. Wir waren mal in einer Paartherapie, 2-3 Sitzungen, aber die Therapeutin fand uns beide nur ganz toll und hat das immer wieder betont, was ich zum kotzen fand, denn ich fand das nicht.

Ich würde mich nun über Ihre Meinung zu folgender Frage freuen: wie kann ich mich am besten verhalten, um das Zusammenleben bestmöglicht zu gestalten? Mein Grundproblem scheint mir zu sein, dass er mich in etwas hineinziehen will, was ungesund ist (für uns beide), um seinen Status quo zu erhalten (aus Angst natürlich). Ich habe versucht: zu reden, in Psychotherapie zu gehen, Paartherapie zu machen, zu betteln ("bitte spricht mit mir!"), mich zu verweigern. Derzeit verweigere ich mich so standhaft wie noch nie, weil ich nicht mitspielen will, ich interagiere nur das allernötigste mit ihm, aber es ist eine sehr kalte Stimmung bei uns, es ist wie in einem schlechten Film, so wie man selber nie werden wollte. In gewisser Hinsicht versuche ich ihn zu spiegeln, ihn, der selber mir gegenüber zu extremer Kälte neigt. Wenn ich das schreibe, kommt mir dieses Verhalten kindisch vor - aber deswegen schreibe ich ja, weil ich vollkommen hilflos und mit meiner Weisheit am Ende bin. Was er von mir wünscht, übersteigt meine gar nicht so ausgeprägten Macht- und Dominanzgelüste bei weitem. Ich habe schon so oft gesagt, "ich bin nicht Deine Mutter und ich bin auch nicht deine Therapeutin, lass mich in Ruhe", oder "Lebe Du Dein Leben, nicht meins!", "Kümmere dich mal um Dich, mach eine Kur, nehm ein Bad, nimm Dir Zeit und geh Rollschuh laufen", und das alles in allen möglichen Tonfällen, Situationen, Anlässen. Manchmal kommt was an, aber ändern tut sich nichts. Ich fühle, das ich mich um mich kümmern muss, also versuche ich eine Grenze zu ziehen. Auch, um mich seiner Kranheit zu verweigern. Aber eben mit dem Ergebnis absoluter Kälte und Beziehungslosigkeit. Sehr schwer zu ertragen. Ich frage mich, wie so ein Mensch das sein ganzen Leben ertragen kann! Er muss doch das Bedürfnis haben, etwas zu ändern! Es ist so trostlos, und ich verstehe ihn einfach nicht. Und ja, ich verachte ihn immer mehr dafür, das er so kindisch ist und sich einfach nciht selber helfen will, und mit den Jahren wird dieses Gefühl immer dominanter.

Haben Sie Lust, mir Ihre Meinung zu sagen? Es geht mir hier nur um mich.
Er ist 41 Jahre alt und es ist Zeit, das er sich selber um sich kümmert. Er soll mich in Ruhe lassen und Platz für sich selber in seinem Leben schaffen, dann kommen wir auch bestens miteinander aus - das ist jedenfalls meine Idee. Nur, wie soll ich mich verhalten?

- ich hoffe, das sind jetzt weniger als 40 Zeilen.

Haben Sie besten Dank für Ihr Angebot und für Ihre Hilfe.

Gruß

...

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Männerberatung [mailto:info@maennerberatung.de]
Gesendet: Mittwoch, 11. Juli 2018 20:51
An: '...
Betreff: AW: Zusammenleben mit einem ängstlichen Masochisten


Sehr geehrte Frau ...,

mir scheint, Sie machen sich viel zu viele Gedanken um den Mann und zu wenig um sich. Vielleicht sind Sie co-abhängig.

Ihr Mann wird sich in 100 Jahren nicht ändern, womöglich werden Sie eines Tages so eine Wut auf ihn haben, dass Sie ihn mit einem Stuhlbein erschlagen.

Soweit sollte es und muss es auch nicht kommen, wenn Sie sich auf den Weg machen und nicht vergeblich darauf warten, dass ein Bus kommt, der einen völlig anderen Streckenplan hat.


Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel

 

 


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